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Karriere ohne digitales Kommunikations-Dogma

Anlässlich der "Zukunft Personal" rät Birgitt Morrien zu Konzentration in Kommunikation, denn der Drang zu hyperaktiver digitaler Karriere-Aktivität greift dramatisch um sich. Wie es gelingen kann, einfach zu kommunzieren und so Erfolg zu initiieren, zeigt Morrien am Beispiel einer US-Klientin.

Digitaler Driss*: Erfolg trotz virtueller Abstinenz

Margaret Rosenbaum** ist eine Frau in ihren besten Jahren. Die 50-Jährige hat gleich mehrfach Karriere gemacht. Leider jedoch hat sie dafür gebüßt. In drei Unternehmen war sie überaus erfolgreich und zog zunächst an ihren Kollegen, später dann an ihren Vorgesetzten vorbei.

Man kann sich leicht vorstellen, dass die Betroffenen darauf vermutlich neidisch reagiert haben. Vermutlich auch beschämt darüber, es ihr nicht gleichtun zu können. Schließlich leben wir unter nahezu totalitären Wettbewerbsbedingungen: Ein Ziel nicht zu erreichen, etwas nicht zu schaffen, scheint für die Betroffenen selbst dann beschämend, wenn dies zu erreichen „eigentlich“ gar nicht gewollt ist: Das Engagement speist sich hier nicht aus eigenen Motiven der Selbstverwirklichung, sondern ist Folge eines fatalen Vergleichs.

Karriere zu machen bedeutet in der Regel, einen sehr hohen Einsatz zu zeigen. Oft kommen dabei Familie, Freunde und Freizeit zu kurz. Das will und kann nicht jede/-r. Doch Margaret hatte sich entschieden, es zu wollen, und sie brachte den ganzen Einsatz, den das braucht, und sie überzeugte durch Brillanz.

Gegen die Intrigen der Neiderinnen und Neider jedoch war sie ab einem bestimmten Punkt machtlos. Sie wurde gemobbt und entschied beim dritten Mal, es nun gut sein zu lassen mit einer Unternehmenskarriere und sich stattdessen lieber selbstständig zu machen. Die gläserne Decke sollte sie nicht länger davon aufhalten, weiterzukommen.

Coaching für den Neustart
So kommt Margaret Rosenbaum zu mir ins Coaching, ganz und gar nicht zufällig. Sie hat vorab systematisch recherchiert und ist dabei auf einen Artikel gestoßen, der Coaching im Allgemeinen und ganzheitliches Coaching am Beispiel meiner DreamGuidance-Methode insbesondere als Scharlatanerie vorführt.

Margaret wird neugierig, sie will sich ein eigenes Bild machen und findet auf meiner Website Hinweise zu Blog und Büchern von mir. Dieses Material und zahlreiche begeisterte Medienresonanzen aus den letzten 15 Jahren überzeugen sie und zeigen ihr, dass hier offenbar eine erfolgreiche Frau gemobbt wurde. Sie unterstellt, ein Coach mit dieser Erfahrung kann sie mit ihrer leidvollen Berufsvergangenheit besser verstehen und ihr Strategien verraten, wie der Umgang damit gut gelingen kann, persönlich und beruflich.

Ohne digitale Präsenz zum Erfolg?
Im Verlauf des Coaching-Prozesses wird deutlich, dass Margaret ihr im Laufe unserer Zusammenarbeit präzisiertes Portfolio keinesfalls via digitaler Präsenz vermarkten möchte. Sie weiß, dass ihre weitere Entwicklung von früheren Neidern genau beobachtet und verfolgt wird. Aber wie soll in Zeiten viraler** Kommunikationshoheit ein Neustart als Selbstständige erfolgreich gelingen, wenn sie auf alle damit verbundenen Tools konsequent verzichtet? Wie soll dieses Prinzip schutzbegründeter Unsichtbarkeit funktionieren?

Wir analysieren ihre bisherigen Erfolgsprinzipien und es zeigt sich ihre besondere Stärke im direkten Dialog, sei es in der Rolle als Führende oder auch als Kontakterin für Großkunden. Wir erwägen, dass sich dieser Erfolg auf die selbstständige Tätigkeit übertragen lässt. Wir beschließen, ihre besondere Ausstrahlung und ihr fachliches Können umfassend für ihre Auftragsakquise zu nutzen.

Erste Aufträge ohne Akquise
Jedoch noch bevor Margaret überhaupt einen Anruf von sich aus tätigt, wird sie überraschend von zwei früheren Partnern aus ihrer Managementtätigkeit angefragt, um Teams zu kritischen Vertriebsfragen zu trainieren. Aus beiden Anfragen ergeben sich nach einem erfolgreichen Kick-off Beauftragungen für Trainingsreihen. Schneller, als sie denken kann, ist das Auftragsbuch für das neue Jahr bereits bis zum Sommer gefüllt.

Wir entscheiden, nun genau auf gewünschte Schwerpunktsetzungen zu achten. Bestärkt durch den gelungenen Auftakt, beschließt Margaret Rosenbaum, ihr Herzensthema aufzugreifen und als Angebot auszuarbeiten. Sie will ganzheitliche Ansätze im Vertrieb etablieren und entwickelt im Laufe des Coachings dazu ein eigenes Konzept.

Wir analysieren, welche Branchen für ihr Angebot geeignet sein könnten, und sie entscheidet sich für zwei optionale Auftraggeber. In einem Fall kommt ein Auftaktgespräch bereits nach einem ersten Telefonat zustande. Sie schickt ihr Angebot und bereitet sich mit mir im Coaching auf das Gespräch vor.

Authentisch und erfolgreich in eine neue berufliche Zukunft
Wie wird sie drei Karrierebrüche verkaufen, die sich, auch wenn wir es besser wissen, wie Scheitern ausnehmen? Dafür entwickeln wir eine überzeugende Kommunikationsstrategie, die konsequent auf Authentizität basiert. Margaret Rosenbaum hat entschieden, nur noch mit Partnern zusammenzuarbeiten, die „das ganze Paket“ wollen: ihre persönliche und fachliche Stärke, ihre Berufsbiografie mit Mobbingerfahrung und ihren ganzheitlichen Ansatz.

Die Rechnung geht auf. Zum Ende des Coachings hat sie bereits ein Testtraining in dem von ihr selbst akquirierten Unternehmen mit Bravour absolviert. Sie wird für ein Jahr gebucht mit einer eigenen Trainingsreihe zu ihrem Konzept innovativer Vertriebskommunikation.

Entgegen allen Befürchtungen hat sie das Coaching nicht in die kritische Situation gebracht, entscheiden zu müssen, wo und wie sie sich virtuell positionieren will. Ohne jegliche Art von Kommunikationstools, klassisch als unverzichtbar eingestuft, hat sie eine neue berufliche Existenz gestartet. Weder Geschäftsausstattung noch repräsentatives Office sind vorhanden, doch die Aufträge sind schon da.

Jenseits des virtuellen Dogmas
Wir beschließen, diesen Kurs für die Dauer von zwei Jahren „so laufen zu lassen“, d. h. auch weiterhin von jeglicher Art Webpräsenz abzusehen. Dann wollen wir uns wieder treffen und analysieren, ob sie ihren Kurs virtueller Abstinenz strategisch ändern sollte oder möchte. Denn noch ist es ihr geradezu unheimlich, wie sich die Dinge jenseits des virtuellen Dogmas tatsächlich als gelingendes Zukunftsvorhaben abzeichnen.

Erst an dieser Stelle erinnert sich Margaret Rosenbaum an die Visionsreise, die sie gleich zu Beginn des Coachings – von mir angeleitet – gemacht hatte. Darin hatte sie sich etwa 55-jährig auf einem Podium einen Vortrag halten sehen, der mit großem Applaus beantwortet wurde. Dieses Bild scheint ihr mit dem erfreulichen Start ihrer Trainingstätigkeit nun langsam realisierbar zu sein. Sie hat gelernt, noch stärker an sich zu glauben, auch unter vollkommen neuen Rahmenbedingungen ihrer beruflichen Karriere.
 

Birgitt E. Morrien

 

*Margaret Rosenbaum lebt und arbeitet in Boston / Massachusetts. Sie ist verheiratet und hat vier erwachsene Kinder.
**Driss: http://www.mitmachwoerterbuch.lvr.de/detailansicht.php?Artikel=Driss
***Virales Marketing: http://de.wikipedia.org/wiki/Virales_Marketing

 

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