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Ein Feuerwerk neuer Impulse im Coaching

Die Botschaften des tiefen Innern (Foto: Morrien. Bhutan 2013)

Teresa Tetjanova

München, im April 2016

Mein Treffen mit Ihnen, liebe Frau Morrien, fing mit einem intensiven Kennenlerngespräch an. Seelisches Annähern, Lagebesprechung, Analyse des Zustands, in dem ich mich befand. Die Art, wie Sie meine Anliegen wiedergaben, traf jedes Mal einen „Nerv“ in mir. Genau so, wie Sie es beschrieben, fühlte ich mich: „hochschwanger in Kopf und Geist“. Es war eine Wohltat und Erleichterung, so verstanden zu werden.
Auch der Raum, in dem wir arbeiteten, hatte eine gute Wirkung auf mich: Die absolute Ruhe, die Farben im Raum, die Holzmöbel, die großen Pflanzen … und vor allem das geheimnisvolle Instrument – alles hatte eine aktivierende, elektrisierende Wirkung auf mein Inneres.

Die Reise ins Ich

Im ersten Teil des Tages ging es um meinen Stammbaum, wir beschäftigten uns mit meinem „berufsbezogenen Genogramm“: Wer bin ich, woher komme ich, was bin ich, warum bin ich das, was haben mir meine Ahnen „mitgegeben“? Verborgene Talente und Eigenschaften entdecken, mich an alte (gute und starke) Talente „erinnern“, mir meiner Lage, meiner Stärken und Schwächen (wieder) bewusst werden, vergessene oder neue Fähigkeiten aufdecken – anhand der Lebenswege der Ahnen. Ein faszinierender Ansatz.

Auch ging es um meine vergangene und jetzige Umgebung. Welche Menschen gibt es da? Wie stehe ich zu ihnen und sie zu mir? Wer hilft mir und wie – in dieser Lage? Was genau ist meine Situation eigentlich? Was fehlt mir – aber vor allem: Was habe ich … trotz meiner Lage? Trotz des harten Stuhls, auf dem ich jetzt im Karussell sitze? Es ist eine wichtige und schwierige Aufgabe, sich seiner Lage wirklich bewusst zu werden – ohne Wertung und Emotion. Die Vergleiche und Beispiele, die Sie erwähnten, Frau Morrien, teils aus Ihrem eigenen Leben, waren so treffend!

Es gab viele hochinteressante Themen, die mich tief bewegt haben, immer noch zum Nachdenken bringen und weiter begleiten werden. Besonders das Thema des „magischen Irgendwie“ und die wichtige Bedeutung des „Rumeierns“ beschäftigen mich immer noch sehr. Ich danke Ihnen für diese wahren geistigen „Schätze“!

Zum Abschluss des ersten Teils ging es darum, einen Titel für das Erlebte zu finden. Die Essenz. Für mich war es: „Die Reise ins Ich“.

Colour Diving

Im weiteren Verlauf des Tages hieß das Thema: Colour Diving zu Vokalimprovisationen und Klanginspirationen auf dem Monochord.

Der Ausgangsgedanke war folgende Frage an mich selbst: Was ist das Beste, das in den kommenden 3–5 Jahren für mich in der Pipeline steckt? Zu dieser Frage fing ich an zu malen, abstrakt und in den Farben Rot und Orange. Ohne zu denken, ohne die Formen zu lenken, ohne die Farben bewusst auszusuchen und ohne „Logik“. Mein Gefühl zu dem Thema greifbar, sichtbar zu machen, es auszudrücken, es ins Hier und Jetzt zu bringen – das war äußerst faszinierend! Es fühlte sich befreiend an, ohne Kopf zu arbeiten – befreiend und erleichternd.

Dieses Bild hing dann an einer Pinnwand, direkt vor mir, während ich auf der Couch lag und es auf mich wirken ließ – begleitet von Vokalimprovisationen und Klanginspirationen auf dem Monochord.

Dieses Erlebnis war komplett jenseits meiner bisherigen Erfahrungen und Erwartungen – gruselig und furchtbar spannend zugleich … Ich sagte mir: „Bleib einfach drin! Es kann ja nichts passieren! Geh mit!“ „Es“ nahm mich mit auf eine bewegende Reise … ein intensiver Tagtraum, in dem immer wieder die Töne (oder der Ton) um mich eine weisende Rolle spielten. Und das Ganze bei vollem Bewusstsein. Oft schaute ich das Bild vor mir wieder an. Doch interessanter war es, mit geschlossenen Augen auf die Reise zu gehen.

Folge dem Ton

Alles hier im Colour Diving Erlebte habe ich dann wieder aufs Papier gebracht – in Formen, Farben und Stichpunkten. Und wieder sollte ich dem Erlebten einen Titel geben. Für mich bezog sich das auf eine Nachricht aus dem Tagtraum. Diese Nachricht hieß: „Folge dem Ton – wodurch du auf den richtigen Weg kommst.“

Um den genauen Inhalt und die Bedeutung dieser Nachricht zu definieren, haben wir den Satz im Detail „hinterfragt“ im Sinne von: Wieso, weshalb, wozu, wie? Es ergaben sich viele Antworten, warum ich dem Ton folgen sollte und wohin er mich führen sollte und was es mir bringen würde. Diese Antworten schrieb ich ordentlich und nummeriert in einzelnen, klaren Sätzen/Statements untereinander. Interessanterweise werden diese Sätze als „vollendete Tatsache“ formuliert, also „als ob schon geschafft, erreicht, gelungen“, obwohl das Erleben noch in der Zukunft liegt.

Das Schreiben dieser Sätze, Buchstabe für Buchstabe, aktivierte für mich eine besonders tiefe Verinnerlichung des Inhalts. Das ordentliche Untereinanderschreiben und Nummerieren der Statements sortierte und ordnete irgendwie auch das Chaos in meinem Geist, es produzierte Klarheit an sich.

Für mich flößt, leitet der Prozess des Schreibens die Information wie durch ein geheimes Rohr an eine „seelische Zentrale“. Oder ist es vielleicht sogar umgekehrt? Macht die „seelische Zentrale“ so auf sich aufmerksam? Indem sie Nachrichten, Informationen, Sehnsüchte, Wünsche, Träume, Lösungen sogar durch das geheime Rohr „hochschickt“? Und zwar dann, wenn wir ihr den Freiraum „da oben“ lassen oder öffnen, etwa durch Sound-Reisen, durch malen, durch tagträumen oder fantasieren? Das beschäftigt mich sehr.

Die einzelnen Sätze, die ich aufschrieb, dienen mir als tägliche Affirmationen. Sie verhelfen meiner Seele, meinem Geist zum „Sprung“, zu dem „Neuen“, das ich ja noch gar nicht kenne. Es scheint paradox – und wenn ich zu viel darüber nachdenke, verwirrt es mich sogar: Wie soll ich das Gefühl des „gefundenen Neuen“ schon fühlen, wenn ich das Neue noch gar nicht kenne?

Was mich an dieser Art Arbeit fasziniert, ist, endlich mal nicht mit dem Kopf zu arbeiten. Nicht zu versuchen, alle Antworten und Ideen aus dem Kopf zu „drücken“ – wie Wasser aus einem Stein (in meinem Fall). Dass ich das Innere „reden“ lassen kann, mich von Farben und Klängen entführen lassen kann, dass ich weit weg komme vom eingefahrenen, sturen, festgefahrenen, dem so anstrengenden und ermüdenden Denken, raus aus der Sackgasse im Kopf. Dass andere Teile von mir sprechen – wie die Fantasie.

Die einzelnen Sätze werden an dieser Stelle nüchtern und ohne Emotion als klare Ziele betrachtet. Folgende Fragen werden zu jedem einzelnen Ziel überlegt und beantwortet: Was bringe ich schon in mir mit, um das Ziel zu erreichen? Was brauche ich noch? Wo und durch wen finde ich Unterstützung?

Das Tor ins Innere

Interessant war es zum Schluss, darüber zu sprechen, wie ich mich „in mich kehren“ kann, wie ich „stehen bleiben und still werden“ kann. Dies scheint das Hauptthema für mich zu sein, um „den Weg, die Vision, mein leitendes Potenzial“ zu enthüllen.

Hier sind Techniken für mich sehr wertvoll, die den Geist, den angestrengten und anstrengenden Kopf ablenken, beschäftigen und beruhigen, um die wichtige Information aus „der Tiefe“ (den Ton?) hören zu können. Solche Techniken sind z. B. das In-die-Kerze-Schauen, das Reiskörnerzählen oder das Vor-sich-hin-Putzen und -Polieren – wie ich das für mich tue. Und ab jetzt auch Klängen zu lauschen (wie dem Monochord …). „Aktivitäten ohne Ziel“ nenne ich das gerne. Das Tor ins Innere.

Aber es ist echt schwer. Schwer, die richtige Stimme (den richtigen Ton?) zu unterscheiden von all den anderen Stimmen, Tönen … Es ist wie ein riesiger Haufen Telefonkabel da drinnen im Innern: Alle Leitungen „quatschen“ was – von ihrem Standpunkt aus natürlich gerechtfertigte „Texte“ –, aber die „wahre“, wesentliche Leitung mit der echten Nachricht, die ist schwer rauszuhören, finde ich.

Auch das Thema „Regeln der Offenbarung“ lässt mich nicht in Ruhe. Die Offenbarung muss sehr schwer erarbeitet und „verdient“ werden, so viel habe ich aufschnappen können. Die Erleuchtung, wirklich zu wissen, wo’s langgeht, ist nicht leicht erreichbar und man kann sie nicht erzwingen. So wie man Inspiration nicht erzwingen kann. Wir sind den „Regeln“ dieser Elemente und ihrem „Timing“ ausgeliefert.

Rot wie Feuer

Als ich mir mein rotes Bild am Ende des Tages noch mal anschaute, wusste ich plötzlich ganz klar, was ich gemalt hatte. Es war ein großer Knall, „Bang!“ … ein Feuerwerk! Symbolisch für den Einfall, die langersehnte Idee, die mich wie ein Feuerwerk treffen würde, endlich! Der Weg, den ich gehen soll, was ich bin, was mein Potenzial ist – rot wie Feuer, unverkennbar, eindeutig und stark. Ein Feuerwerk des Ankommens!

Es brennt mir auf der Seele endlich zu wissen, was hier: .................................................................. an dieser leeren Stelle stehen wird. „Watch this space.“

Vielen herzlichen Dank, Frau Morrien, für die wertvollen Einblicke und Inspirationen!

Teresa Tetjanova

 

50 Coaching-Storys

Hinweise zur Autorin und Dauer der Beratung: Die Briefeschreiberin lebt und arbeitet in London und München. Sie betreut den Bereich IT-Compliance in einem internationalen Konzern. Ihr Name wurde auf Wunsch der Autorin geändert. Coach Morrien und ihre Klientin verbrachten einen intensiven Coaching-Tag miteinander.

 

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