Vom Neid und ungewöhnlicher Kundengewinnung

Wer auf der Suche nach Scharlatanen im Coaching durchs Netz streift, landet schnell bei mir“, beginnt Senior Coach DBVC Birgitt Morrien einen aktuellen Beitrag im Coaching-Blogger, der sich wie die Bekenntnisse einer vielfach Beneideten liest. „Ich habe eine gewisse Reputation in dieser Hinsicht erlangt, seitdem die WirtschaftsWoche dem Wildwuchs in der Branche zu Leibe gerückt ist.“ Seither melden sich bei Morrien verstärkt erfolgreiche Frauen aus Wirtschaft und Politik, die selbst einen konstruktiven Umgang mit Neid-Attacken in ihrem Umfeld entwickeln müssen.

Wer – wie vor einigen Jahren Liane Borghardt – die Coaching-Branche sichtet, landet schnell bei mir. Das hat zwei Gründe: Einerseits habe ich einen ganz der Welt zugewandten „COP“ engagiert, der sich seit 15 Jahren hinter mich stellt und für meine Coaching-Methode DreamGuidance wirbt, die vor allem innere Ressourcen würdigt und nutzt. Diese ganzheitliche Methode war anfänglich sehr umstritten, sodass mir der COP als Akronym für meine Beratungspraxis genau passend erschien: Coaching, Organisation, PR.

Mittlerweile habe ich die DreamGuidance-Methode am Markt etablieren können, was meinen COP und mich zwar viel Mühe gekostet hat, aber auch sehr freut. Es gibt inzwischen einige Bücher von mir zum Thema, eine Forschungsstudie und zahlreiche andere Veröffentlichungen, sei es in Fachmedien oder auch online, etwa in meinem Blog „Coaching-Blogger“. Dort finden sich mehr als 700 Artikel mit Bezug auf meine Arbeit.

Liane Borghardt nun hat sicher einige der zahlreichen Beiträge von Kolleginnen und Kollegen gelesen, die sich von mir haben testcoachen lassen und über all die Jahre in ihren Blättern dazu berichtet haben. Sei es in Spiegel Online, Handelsblatt, WDR oder in ausführlichen Texten von FAZ- und GEO-Wissen-Autoren. Alle zeigen sich überzeugt vom Erfolg meines Ansatzes, der nachweislich funktioniert, ob man die Methode nun mag oder nicht.

Was nun könnten Borghardts Motive gewesen sein dafür, sich nicht auch von mir testcoachen zu lassen, um dann fundiert über ihre eigene Erfahrung zu schreiben? Vielleicht unterstellte sie ihren Kollegen Befangenheit. Wer mit mir spricht oder gar an eigenen Fragen mit mir arbeitet, ist nicht mehr objektiv. Womöglich fürchtete sie, ich würde sie unbemerkt in Trance versetzen und ihren klugen Sachverstand so unterminieren?

Wie auch immer, ihr hat es genügt, bei ihrer Recherche zum Thema „Coaching-Scharlatane“ auf das Gespräch mit mir zu verzichten. Ihre Deutung der Dinge fußt somit auf Veröffentlichungen von Kollegen und von mir sowie auf Gesprächen mit Mitbewerbern über mich. Die genannten Texte sind natürlich Quellen erster Ordnung. Die Gespräche mit anderen Coaches eher zweiter. Dass Letztere die Arbeit von Kollegen auch interesseneingefärbt beurteilen, also subjektiv, liegt nahe.

Der Stachel des Neides

Es könnte zumindest Konkurrenz mit im Spiel sein und so der böse Stachel des Neides seine Wirksamkeit entfaltet haben. Das ist menschlich durchaus nachvollziehbar. Wer war nicht selbst schon neidisch und weiß, wie sehr es beschämt, dieses Gefühl in sich wahrnehmen zu müssen. Am besten, man verheimlicht es vor sich selbst und belässt es im Diffusen, also bei einem irgendwie unangenehmen Empfinden, das man einfach nur schnell wieder loswerden möchte. Nur wie? –

Nun bin ich als Frau unterwegs. „Mädchen, die pfeifen und Hühner, die kräh’n, denen wird man beizeiten die Hälse umdreh’n.“ oder auch „Frauen, die was wollen, kriegen was auf die Bollen“, kommentierte meine Oma meinen freudigen Selbstausdruck als junges Mädchen. Sie tadelte mein Verhalten, wohl weil sie ahnte, was mir blühte: Mich zeigen, einfach sein, wie ich bin, und tun, wonach mir der Sinn steht, das würde mir Schelte einbringen. Die von Männern, das schwante mir selbst schon früh, aber auch die der Frauen, was ich erst viel später erfasste. Ich hätte es besser wissen müssen, denn es war ja meine Oma auch eine Frau gewesen.

Tritt eine Frau in die angestammte Domäne von Männern, fühlen sie sich schon mal bedroht. Erfolg ist so eine Domäne, der öffentliche Raum sowieso. Ob sich ein Konzern, eine Partei oder ein Coaching-Verband präsentiert, ganz vorn sehen wir Männer in der Überzahl. Tritt also eine Frau mit was auch immer erfolgreich in Erscheinung, zumal im öffentlichen Raum, muss sie sich warm anziehen. Als Führungsfrau etwa, die durch die Decke will. Als Unternehmerin, die den Markt aufmischt nicht minder.

Aber sie muss sich auch auf der anderen Seite, also auf der eigenen, gegenüber Frauen wappnen. Denn das Stück, das Frauen vom ganzen Kuchen zugestanden wird, ist sehr überschaubar, wenn nicht gar klein. Nimmt also nun eine von uns sich ein ordentliches Stück raus, weckt das unter Umständen den Argwohn der anderen. Doch da wir Frauen ja seit Jahrtausenden dazu verdonnert und darin geübt sind, Aggressionen nicht offen zu zeigen, sind wir Meisterinnen taktischer Gemeinheiten aus dem gesicherten Hinterhalt geworden.

Tritt also eine Frau auf, die sich was traut und sich darin öffentlich zeigt – und die damit auch noch Erfolg hat, braucht sie vor allem Selbstbewusstsein. Sie muss wissen, dass das, was ihr nun entgegenschlägt, mit ihr selbst womöglich wenig zu tun hat. Trifft doch die Attacke aus dem Hinterhalt die Leistungsstarken und Mutigen besonders oft. Ihnen werden ihr Können, ihre Energie und ihr Vermögen geneidet.

Nun aber weiß sich nichts besser zu verstecken als der Neid. Denn dieser ist ja das Indiz dafür, dass sich da jemand unterlegen fühlt, vielleicht sogar vollkommen grundlos irgendwie minderwertig. Und dafür, sich so zu fühlen, müsste man sich ja schämen. Und wer will sich schon schämen. Besser doch sich stark fühlen und gebärden und sei es auf Kosten einer anderen, die nun – zur Strafe – dem Spott preisgegeben wird.

Liane Borghardt ist womöglich sehr mit sich zufrieden und das aus guten Gründen. Sie ist eine erfahrene, vielseitig beschäftigte Journalistin. Warum sie in meinem Fall unter ihr übliches Niveau gerutscht ist, vermag ich nicht zu sagen. Vielleicht hatte sie einfach einen schlechten Tag. Im Telefonat sagte sie mir, es täte ihr wirklich leid. Die Endredaktion habe ihr Manuskript in einer Weise verändert, mit der sie selbst nicht glücklich sei.

Das ist doch ein Wort.

Schade nur, dass sie es nicht in einer der folgenden Ausgaben der WirtschaftsWoche kommuniziert hat. Aber, das hätte ja nun wiederum die Redaktion in die Bredouille gebracht. Vielleicht ein Redakteur, mit dem sie sich einig war, dass Frauen, die sich in aller Öffentlichkeit in ihrer Potenz zeigen, abgestraft gehören. Immerhin weiß offenbar selbst die Kanzlerin das und gibt sich drum im Auftreten eher bescheiden. So viel steht fest, manche Koalitionen sind unglückliche. Diese war eine.

Mobbing gegen die Erfolgreichen

Zwar ist die Dynamik dieser Strukturen allgemein wenig bekannt. Jedoch melden sich seit Jahren verstärkt erfolgreiche Frauen bei mir, die ähnliche Erfahrungen in ihren Unternehmen, Parteien oder Verbänden gemacht haben. Vielfach Leistungsträgerinnen, die für ihre Organisationen besondere Erfolge verbuchen konnten, um jedoch später genau deswegen von Kollegen oder auch Vorgesetzten als Bedrohung wahrgenommen zu werden. Mobbing scheint da ein probates Mittel, um sich unliebsamer Konkurrenz zu entledigen.

Wir erarbeiten im Coaching gemeinsam, wie das, was in einer solch schwierigen Lektion zu lernen nötig ist, um diese zu überleben und zu bewältigen, das grundlegende Kapital für kommende Vorhaben ist: Erstens die Fähigkeit, das Ungeheuerliche dieses Vorgangs zu erkennen als Strukturthema aller patriarchalischen Gesellschaftsformen. Zweitens: die große Trauer darüber zuzulassen, die auftritt, wenn wir spüren, wie Konkurrenz durch Spaltung einsam macht. Die Tränen zuzulassen darüber, eine von der anderen in dieser Weise getrennt zu sein. Drittens: ganz auf Grund zu gehen, in dieser Weise am Ende, und nicht weiterzuwissen. Uns dieser schrecklichen, weil uns zutiefst erschreckenden Leere anzuvertrauen, die bleibt, wenn nichts sonst mehr bleibt. Viertens: dem, was sich dann behutsam als lebendiges Neuerwachen in uns regt, zu trauen. Die Fragen lieb zu haben*, die sich uns hier stellen, um langsam in eine Antwort hineinzuwachsen.

Was sich auf diesem Wege als Möglichkeit auftut, steht in direkter Resonanz zu dem erfahrenen Leid der Ausgrenzung. Zwar wird dieses Leid individuell erlebt, ist jedoch allgemeines Leid, da es von einer Kultur kündet, die die Spaltung verehrt, die Verbindung aber fürchtet. Wer dies am eigenen Leibe spürt und von Grund auf verstanden hat, wird künftig Dinge tun wollen, die auf Verbindung zielen, also heilen wollen, was unter uns und in uns selbst zerbrochen ist.

Ich träume davon, wie wir so zur Ruhe zurückkehren, die wir irgendwo unterwegs verloren haben. Zu unserem Frieden.

*inspiriert von Rainer Maria Rilke
http://www.coaching-blogger.de/2013/07/02/die-dinge-sich-entwickeln-lassen/

Literatur-Tipps zum Thema:

Verena Kast: Neid und Eifersucht. Die Herausforderung durch unangenehme Gefühle. Zürich: Walter Verlag 1996

Ingrid Riedel: Spieglein, Spieglein an der Wand. Märchen vom Neiden und Gönnen. Ostfildern: Patmos Verlag 2012

Rolf Haubl: Neidisch sind immer nur die anderen. Über die Unfähigkeit, zufrieden zu sein. Nördlingen: C.H.Beck 2009

Morrien Referenzen >Medienecho TV   http://www.cop-morrien.de/referenzen/medienecho-tv/

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