Diese Worte am Grab eines Freundes sind keine klassische Trauerrede, sondern eine Art poetische Ermutigung für uns Zurückbleibende.
Adieu, lieber Freund
Dabei gewesen als er starb /
in Freundesrunde / begleitet
Da erst sah ich sein Alter wirklich
erkannte den völlig Entkräfteten /
wie er losließ und in sich
zusammenfiel
Gehen, wenn es an der Zeit ist
Und wir, die wir nun
dem Rauschen der Winde
in den Wipfeln der Großen
lauschen,
die hier Draußen ihren Dienst tun —
tief verwurzelt dastehen
sich in den Himmel reckend
uns zu erinnern
an die Wechsel der Zeiten
mit jeder Jahreszeit neu —
Wie sich da fürchten
vor dem Tod?
Sich seiner selbst sicher
in Würde gehen
im Wissen um jene alten Gesetze,
die Wandlung vorschreiben
und so Erlösung versprechen
Abwerfen, was zu schwer
geworden ist / Leichtes
willkommen zu heißen
mit den Augen nicht zu sehn
so leicht
Da steht er wieder
in meiner Erinnerung
oder sitzt und weiß
Bescheid
mit seinen Fragen und seinem Fordern
dem Leben Richtung zu geben
Wie aus einem Traum
werde ich wach und
weiß nun wieder etwas mehr,
was wirklich zählt
und auch, dass ich es
wieder und wieder vergesse
Im Abschied die rot lackierten Fingernägel, die ihm gefallen — aber ja!
lacht er noch einmal auf
vor seinem letzten Atemzug
und wirft sich dann
dem Liebsten
freudig in die Arme,
solange schon von ihm so
sehnsuchtsvoll erwartet,
so sehr vermisst
in diesen letzten Jahren
Jetzt ist es gut.
Das Spiel ist aus.
Ein Neues kann beginnen
