Eine Mutter im Männerhaushalt merkt: Das Problem ist nicht die KI, sondern die uralte Kunst des männlichen Wegguckens – außer beim Busen. Also zwingt sie ihre Jungs zur Selbstprüfung. Für neuen Respekt als Männersache!
Ich liebe Männer, aber …
Dass ich Feministin bin, kann man mir nicht nachsagen. Ich bin mit fünf Brüdern großgeworden und lebe mit fünf Männern in einem Haushalt: mit meinem Mann und meinen vier Söhnen. Sowas nennt man Karma.
Seit dieser Sache mit der Frau in Frankreich* und jetzt mit dieser Frau in Deutschland**, denen beiden von Männern sehr übel mitgespielt wurde, sprechen wir zuhause viel über Dinge, die mir schon lange aufgefallen sind.
Zum Beispiel ist da diese Tankstelle bei uns im Ort. Wenn man reinkommt, läuft man vorbei an einem Regal voll mit Nackte-Frauen-Magazinen. Bis ich an der Kasse angekommen bin, sind auch meine Hüllen gefallen.
Jedenfalls fühlt sich das so an, weil der Kassierer mir auf dem Weg zu ihm stumpf auf den Busen starrt. Es ist, als hätte er in seinem Kopf meinen Kopf auf die Nacktfrauen der Magazine montiert.
Was da jetzt mit der KI passiert, ist keine wirklich neue Sache. Das ist offenbar in den Köpfen vieler Männer seit jeher Standard. Und ob meinen Männern das auch so geht, will ich von ihnen wissen.
Wenn sie ehrlich sind, sagen sie: ja. Kennen sie schon auch. Ist nicht ganz in Ordnung, sagen sie. Sollte nicht sein, wissen sie. Was sie jetzt tun wollen, will ich von ihnen wissen. Keine Ahnung, sagen sie, wissen sie auch nicht.
Ich bin ihre Mutter, kein Merz und keine Merkel mit Macht. Was überall geduldet wird, da soll ich jetzt hier die Mission in Sachen Frauenschutz rocken. Geht nicht. Pack ich nicht. Fühl ich mich überfordert mit.
Im Netz habe ich was gefunden, „Mensch Mann“***, das hab ich meinen Männern mal hingelegt. Das Buch ist was für „nette Männer“, steht auf dem Cover. Und es fragt danach, was los ist in den Männerseelen.
Das Mitgefühl für Frauen ist bei vielen Männern auf Dauerurlaub, sagt der, der das Buch geschrieben hat. Starker Tobak, dachte ich. Aber sich an einer x-beliebigen Tanke vom Kassierer nackig machen lassen, ist schließlich auch nicht ohne.
Und am Ende den eigenen Kopf auf dem nackten Körper anderer Frauen wiederzufinden im Netz, Gott bewahre. Und zu denken, das sind meine Männer, die sowas machen, die das zulassen – Horror!
Wenn alle das Buch durchhaben, gibt’s eine Krisensitzung. Wenn das nix wird, zieh ich aus. Mach ich, wissen die. Ich komm auch alleine klar. Die aber nicht, wissen die auch. Ich denk, das wird noch spannend!
PS: Hab das Buch nicht auf einer Frauenseite gefunden. Nein, auf der Seite von so einem katholischen Verlag. Dachte, das finden die zwar schräg, aber macht ihnen nicht so viel Angst, als wenn ich es bei Emma gefunden hätte. Mit Kirche haben wir alle nix am Hut.
**Trotz Morddrohungen.
Collien Fernandes spricht in Hamburg vor rund 20.000
Bitch Hunt. Warum wir es lieben, Frauen zu hassen
***Josef Aldenhoff: Mensch Mann
Hinweis zur Autorinnenschaft: Die Mutter, die hier spricht, möchte ihren Namen nicht preisgeben. Der Text wurde im Duktus der Sprechenden von Birgitt Morrien aufgezeichnet.
PERSPEKTIVEN FÜR VERANTWORTLICHE
#Visionen für die späteren Jahre / 55+
Angeborene Begabungen und erworbene Talente, die nicht genutzt werden, beginnen zu verkümmern.. Das gilt insbesondere für die Zeit nach der Erwerbstätigkeit: Da braucht es neue #Aufgaben, um den frei werdenden Raum für lange vernachlässigte #Chancen und #Möglichkeiten schöpferisch zu nutzen!

Motiv aus ihrer Reihe „Köpfe“ (Iris Labitzke, Köln)