Einfach glücklich sein dank Coaching

Der Coaching-Bericht einer gelungenen Wandlung von Birgitt E. Morrien:

Als der Mann erstmalig zur Praxis hereinschreitet, muss ich aufschauen. Obgleich ich mit meinen 184 cm nicht wirklich klein bin, überragt mich mein neuer Klient noch einmal um eine gute halbe Kopfeslänge. Auch ist er sehr sportlich, sodass ich mir ihn spontan wenig in einem Großraumbüro vorstellen kann. Eher als Ranger in freier Wildbahn.

Mit meinem Ersteindruck hat es immer eine Bewandtnis. Wie nah dran ich mit meiner Assoziation an seinen – noch ihm selbst verborgenen – Wünschen war, wurde mir jedoch erst später offenbar.

Als wir uns kennenlernten, war Thoben tenHorst* 29 Jahre alt und bereits Chefredakteur Programmsparte Nachrichten. Die Aufgabe gefiel ihm. Aber er spürte, dass da noch etwas in ihm nach Verwirklichung drängte. Etwas, das er noch nicht zu fassen kriegen konnte.

Vielfältige Coachingmethoden weisen den Weg

Diese Etwas war in jedem Fall grün, ergab mein Farbtest. Und es hatte einen tiefen Ton, so der Klangtest. Mit dieser Art Tests nähere ich mich einer Frage visuell oder akustisch. Spontan werden dabei Farbe und Klang einer neuen Aufgabe oder Zielrichtung zugeordnet. Eine erste spielerische Option, das Thema zu bestimmen.

Mir war klar, dass ich hier jemanden vor mir hatte, mit dem sich sicher gut bei einem Spaziergang oder auf dem Rad plaudern ließe. Also bot ich ihm wahlweise das von mir so genannte Walk-Coaching oder Rad-Coaching an. Er entschied sich begeistert für die Fahrradvariante. Für meine Arbeit mit Coachees in Köln geht es dann auf eine Wegstrecke, die ich als Licht-Route bezeichne, sprich:

Mein Coachee und ich starten am Dreikönigenschrein im Kölner Dom. Dort zeige ich ihm einen wunderbaren Diamanten**, die Schenkung eines meiner Vorfahren. Und da der Diamant seine Leuchtkraft nur unter großem Druck im tiefsten Erddunkel entwickelt, scheint mir dieser Startpunkt passend. Die Diamant-Metapher gefällt auch Thoben, denn es drängt ihn ja nach Klärung.

Von der Kathedrale aus radeln wir durch wunderbare Landschaften gemeinsam bis zum Kloster Knechtsteden, wo tenHorst in der Basilika zur Belohnung für die auch erschöpfende Anreise eine Kerze anzünden darf. So bringen wir Licht in den Dämmer dieses alten Gemäuers, sinnbildlich für unsere eigene Suche nach Klarheit.

Ein heimlicher Kindertraum zeigt sich

Die Radtour selbst gerät zur spielerischen Recherche in Sachen Berufsgenogramm. En passant lasse ich mir von tenHorst berichten, woher er kommt, was es mit seinen Ahnen auf sich hat, wie diese ihr Brot verdient haben. Und erfahre, dass in der urgroßelterlichen Generation mütterlicherseits wie väterlicherseits arme Waldarbeiter darunter waren.

Deren Kinder, Thobens Großeltern, schlugen erstmalig intellektuelle Laufbahnen ein, in deren Fußstapfen seine Eltern und auch er selbst getreten sind. Sein heimlicher Kindertraum allerdings sei es gewesen, Förster zu werden, lacht er belustigt. So, als ob er sich selbst auslachen wolle. Aber warum heimlich, will ich wissen. Weil doch für die Eltern Förster und Waldarbeiter ein und dasselbe war, meint er, nämlich gar nichts. Das habe ihn nachhaltig abgeschreckt.

Aspekte einer erfolgreichen Laufbahn

Nach einem zünftigen Mittagstisch in einer schönen Restauration nahe der Basilika sitzen wir draußen unterm Sonnenschirm und genießen den Kaffee. Ein guter Zeitpunkt, um unsere Aufmerksamkeit seinen Erfolgsprinzipien zu schenken. An drei wichtigen biografischen Beispielen lasse ich mir von ihm erklären, wer oder was in seinem bisherigen Leben hilfreich war, wenn es um Veränderung ging.

Die Entscheidung fürs Studium habe er „im dicken Kopp“ getroffen, sagt er, also betrunken. Während der Abiturfeten sei das eine Wette gewesen, die er unbedingt habe gewinnen wollen. Es auf die Henry-Nannen-Schule zu schaffen – oder aber 1.000 Euro berappen. Er brauchte die Summe nicht zu bezahlen, denn er wurde angenommen, was ihm wunderbare neue Möglichkeiten eröffnete. Für die gewonnenen 1.000 Euro kaufte er sich sein erstes Motorrad, eine Bullet 500, gebraucht. Seine Augen leuchten bei der Erinnerung an unbekümmerte Hamburger Touren.

Der gelungene Einstieg in die Medienwelt, der erste berufliche Erfolg erweisen sich genauer betrachtet als Folge von Spontaneität und Ehrgeiz. Die erste Beförderung verdankte er einem Mentor im Verlag, der an ihn glaubte und ihn im richtigen Moment mit den richtigen Leuten zusammenbrachte. Hier trug das Netzwerk, das er sich schnell aufbauen konnte – durch Sympathie und gute Leistungen. Schließlich im Privatleben, seine Frau, die sich „auf Anhieb“ in den Clown verliebte, den er auf der Geburtstagsfeier eines Freundes gab. Die Tür zu ihrem Herzen erfolgreich geöffnet zu haben verdankt er seinem Humor.

Was uns trägt

„Eigentlich ist alles perfekt“, sagt er da nachdenklich. „Was ist bloß los mit mir? Für die Midife-Crisis bin ich eigentlich noch zu jung!“ Da bringe ich die Frage nach seinem Kraftkern ins Spiel. Was ist es, das uns trägt, wenn nichts sonst mehr trägt? Was, wenn alle Gewissheit wegzubrechen droht, äußerlich wie innerlich? Für die Antwort reiche ich ihm einen mitgebrachten Zeichenblock mit Wachsmalkreiden. Aufzeichnen soll er, was ihm dazu einfällt, dem Gefühl, das zu dieser Frage aufkommt, Form und Farbe verleihen.

Auf dem Blatt finden sich bald ein Schmetterling und eine kleine Partitur, alles in Grün und sonnigem Gelb gehalten vor blauem Hintergrund. Sehr schön. Und er freut sich über die gelungene Darstellung, die ihm für das „innere Lied“ steht, das er hört, wenn „die Sache stimmt“. Wie der satte Sound einer Bullet, der nach und nach, je weiter sie sich von ihm entfernt, zum leisen Flügelschlag eines Schmetterlings wird. Ein Sinnbild für Kraft und vollständige Wandlung. Sich sanft aus der Verpuppung heraus zum freien Flug aufmachen.

Ein Traum gibt den Ausschlag

In der Nacht nach unserem Ausflug träumt sich tenHorst im Wald. Unterwegs mit einem Landrover, bei sich zwei Hunde, misst er den Forst aus. Fühlt er sich wohl, rundum, wie er plötzlich auf einer Lichtung steht und zu träumen glaubt, so glücklich ist er und so vollkommen richtig scheint ihm sein Leben.

Wenige Tage später, in der nächsten Coachingsitzung, erzählt er mir gleichermaßen bange wie begeistert von seinem Erlebnis. Von einer Entscheidung sind wir in unserem gemeinsamen Prozess an dieser Stelle jedoch noch weit entfernt, sage ich ihm. Denn hier angelangt können wir alles gebrauchen, nur keinen Druck. Noch sind wir bei der Recherche, bei der Bestandsaufnahme, noch sammeln wir die Zutaten für einen Kuchen, der Klarheit heißt.

Ich bitte tenHorst, die verschiedenen Elemente des Traums auf je eine Moderationskarte zu schreiben. „Der Wald“, „die Lichtung“, „die Hunde“ und als kleines Extra „die unbekannte Größe“. Traumstellen nenne ich diese Übung, in der der Klient aus den verschiedenen Perspektiven der Traumelemente spricht.

„Der Wald“ begrüßt den neuen Förster, heißt ihn willkommen. „Die Lichtung“ verrät ihm, er sei endlich am rechten Platz. „Die Hunde“ versprechen ihm Seelenführung und Schutz. Und die „unbekannte Größe“ entpuppt sich als Dornröschen, das sich von ihm wie wach geküsst fühlt. Und es ist das Dornröschen, das ihn besonders anrührt, mit dem er eine starke Kraft tief in sich wach werden fühlt. „Gleich wechselt die Ampel auf Grün und die Bullet schnurrt los“, sagt er und lacht.

Vom Traum zur Tat

Vor der darauf folgenden Sitzung habe ich Kontakt zu einem Bullet-Händler in Köln aufgenommen und mir für den Tag eine 500er ausgeliehen. Eine wunderbare Gelegenheit, wieder einmal Bike-Coaching anzubieten. Eine gute Übung für alle, die in Leitung viel Kontrolle ausüben, sich mir als Coach einmal ganz anzuvertrauen. Einfach hinten aufsteigen, alles loslassen, um sich selbst leibhaftig führen zu lassen.

Als tenHorst kommt, steht die Maschine in der Sackgasse neben meiner Beratungspraxis, gut platziert hinter einem großen Wagen. Ich will ihn überraschen. So beginnt die Sitzung reflektierend: Wir arbeiten wie üblich, reden so ein Weilchen. Aber was ist Reflexion gegen Erfahrung! Ich öffne den Schrank und hole zwei Helme heraus. „Einer ist für Sie“, sage ich und bitte ihn mit vor die Tür. Irritiert folgt er mir – und ist sprachlos, als er vor dem Motorrad steht. „Hier ist der Schlüssel“, sage ich da. „Die Ampel steht auf Grün, die Bullet kann losschnurren!“

DIE WENDE

Als er von einer kleinen Spritztour um die Blocks zurückkommt, strahlt er und sagt: „Jetzt gibt es kein Zurück mehr, ich bin schon auf den neuen Zug aufgesprungen!“ Und da wissen wir beide, dass nun die strategische Arbeit beginnt, wichtige Voraussetzung für die gelingende Umsetzung. Doch die klappt nur, wenn wir uns der einmal tief gefühlten Gewissheit ganz überlassen. Zur Übung vertraut sich tenHorst mir ein paar Runden an, bevor er sich später allein dem neuen Weg widmet.


10 JAHRE SPÄTER

Dem Abschied aus der alten Rolle des Chefredakteurs folgte die Zeit des Lernens der Forstwirtschaft und schließlich die verantwortliche Übernahme eines eigenen Forstes.

Verunsicherungen hat es unterwegs immer wieder gegeben, jedoch nie der Art, die seine Entscheidung grundsätzlich in Frage zu stellen vermochte.

Eher ging es dabei darum, den neuen Ansprüchen gerecht zu werden, sich in dem neuen Lern- und Lebensumfeld zurechtzufinden.

Erfreulicherweise hat tenHorsts Beziehung der Veränderung standgehalten. Seine Frau, eine freie Journalistin, hat den Berufs- und Ortswechsel nach anfänglicher Verunsicherung mitgetragen. Ihr gefällt das Leben im Grünen, sagt er, so zu leben habe sie zuvor nur nicht zu träumen gewagt.

 

 

Weitere Angaben zum Coachingprozess:

Techniken der DreamGuidance-Methode: Die im Text genannten Techniken der DreamGuidance-Methode sind Entwicklungen von Birgitt E. Morrien. Mehr dazu kann vor allem in ihrer aktuellen Buchveröffentlichung „Wie berufliche Visionen Wirklichkeit werden. Coaching mit DreamGuidance“ nachgelesen werden. Weitere Coaching-Storys  finden sich im Coaching-Blogger >Themen >Fallgeschichten, aktuell 47.

Dauer und Umfang:
Gesamtvolumen: 24 Beratungseinheiten / BE
Umgerechnet: 18 Zeitstunden direkte Beratung
Häufigkeit: 6 Termine je 3 Zeitstunden
Zeitraum: 1/2 Jahr

Reaktionen des Umfeldes:
Positive Reaktionen bei den Kollegen und Mitarbeitern über neue Klarheit der Ziele und wachsende authent. Souveränität im persönlichen Auftritt, gerade auch im Abschied. Zunächst Verunsicherung bei der Partnerin über sich anbahnende Veränderung, insbesondere wegen notwendigem Ortswechsel.

Schwierigkeiten / Widerstände: Siehe Text.

Ängste / Unsicherheiten:
Anfängliches Zögern gegenüber erlebnisorientierten Übungen ließen sich aufgrund guter Ergebnisse eben dadurch nach und nach gänzlich ausräumen. Ansonsten siehe Text.

 

*Der Name des Klienten wurde geändert. Weitere Fallgeschichten finden Interessierte online im Coaching-Blogger.de >Themen >Fallgeschichten. Aktuell sind dort 40 Erfahrungsberichte aus erster Hand veröffentlicht.

**Der Diamant ist leider nur noch auf einer alten Zeichnung zu bestaunen, da inzwischen verschollen. Mehr dazu von Ex-Kripochef Walter Volmer im Coaching-Blogger: „Die Heiligen Drei Könige im Münsterland und der Morrien’sche Stern am Kölner Dreikönigenschrein“ (Coaching-Blogger.de >Themen >Morrien-Biografisches

2 Gedanken zu “Einfach glücklich sein dank Coaching

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