Durch Kündigung erfolgreich

Wie Rückschläge uns manchmal ganz nach vorn bringen. Sinnstiftung nicht nur für Manager/innen. Kolumne von Senior Coach DBVC Birgitt E. Morrien im Magazin des Kölner Stadtanzeiger.

Rubrik: Kleine Texte

Wir wollen das Leben gern im Griff haben. Aber manchmal passieren Dinge, die wir einfach nicht ändern können. Wie zum Beispiel einem jungen Motorradfahrer, der zu Beginn des Zweiten Weltkriegs durch einen von ihm unverschuldeten Unfall ein Bein verliert. Kreuzunglücklich ist er vor allem, weil nur seine gesunden Kumpels zum Fronteinsatz dürfen, von vielen wie Helden bejubelt.

Doch nur wenige Monate später schwant ihm mit den ersten Todesmeldungen, dass sein verlorenes Bein in Wahrheit seine Rettung ist. Und dass seine Kinder ihren Vater wohl nur deshalb behalten werden, weil er einmal in seinem Leben so richtig Pech hatte. 

Diese Geschichte erzählte mir vor Jahren eine Klientin, die statt der erwarteten Beförderung in die nächste Leitungsebene ihres Unternehmens plötzlich ihre Kündigung erhielt. Betriebsbedingt, hieß es. Tatsächlich aber war sie ihrem Chef zu einflussreich und stark geworden. Er ließ sie einfach fallen. Und dieser Sturz brachte in ihr die Erinnerung an den Großvater wieder hoch. 

Zwar konnte sie den Sinn ihrer eigenen schmerzlichen Erfahrung zu jenem Zeitpunkt für sich keineswegs erschließen. Jedoch schloss sie die Möglichkeit ein, dass sich die Dinge auch für sie irgendwann doch wieder zum Guten wenden würden. Und dieser Glaube gab ihr Kraft und Trost. Sie trauerte, ohne zu verbittern. Sie blieb innerlich gelöst und öffnete sich für neue Impulse.

Im Coaching entwickelten wir gemeinsam ihre neue Perspektive, die sie schließlich nach Frankreich führte. Dort gelang ihr in einem internationalen Konzern der gewünschte Aufstieg. Mehr noch, sie machte in kurzer Zeit eine bemerkenswerte Karriere und schaffte es schließlich sogar bis in die Geschäftsleitung.

Für den Markt völlig unerwartet, fusionierte nur wenig später ihr Herkunftsunternehmen mit dem Konzern. Ihr früherer Chef, der ihre Kündigung seinerzeit unterzeichnet hatte, gab sich in einem ersten Mitarbeitergespräch unter ihrer Leitung eher kleinlaut. Dabei hatte sie ihm längst verziehen. Statt Groll spürte sie vielmehr Dankbarkeit. Denn erst durch ihren schmerzlichen Jobverlust hatte sie sich für jene neue Chance geöffnet, Dank der sie schließlich ihre berufliche Erfüllung fand.

 

PS: Lesen Sie gern auch meine Gast-Kolumne im Magazin des Kölner Stadtanzeigers. "Der Mozart in uns allen" (KSTA 29.2.2008). Siehe Coaching-Blogger / Rubrik: Coaching-Kolumnen.
 

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