Interkulturelle Kommunikation – Kinderkram?!

Internationale Verständigung, aber bitte auf Augenhöhe! Die Spitzer Journalistin Sylvia Greßler liefert uns eine Momentaufnahme vom Abenteuerspielplatz. Aufschlußreich, denn etwa ein Fünftel der in Deutschland lebenden Menschen weist einen Migrationshintergrund auf, unter den Kleinkindern jedes dritte.

Und genau diese Tatsache lässt einen Abenteuerspielplatz in Bergisch Gladbach bei Köln einem kleinen Kosmos gleichen. Viele Nationalitäten und mehrere Generationen tummeln sich hier: Vom Säugling im Kinderwagen bis zum Senior als Hilfestellung an der Rutsche –

da schaukelt Deutschland neben der Türkei auf dem Lkw-Reifen, da krabbelt Polen mit dem Iran durch den Sand, Pakistan bezwingt mit Albanien das Klettergerüst, Thailand kickert gegen Rumänien am Tischfußballfeld, und unter dem Basketballkorb kommt es sowieso mehr auf die Länge der Beine und Arme an.

Heute sitzen vor dem Spielhaus am Tisch der Senegal und Serbien zusammen und malen wunderbare Bilder. Besonderen Reiz erhalten die Kunstwerke, wenn man das Fingerchen in den bereitgestellten Becher mit Wasser tunkt und anschließend den Tropfen, der an der Fingerkuppe hängen geblieben ist, vorsichtig auf den gemalten Flächen des Bildes verreibt.

Nun kommen die Farben erst zu ihrer vollen Entfaltung, denn man hat mit Aquarellstiften vorgemalt. Der einzige Nachteil an dieser Art des Kunstschaffens: Das Blatt Papier ist anschließend feucht, stellenweise sogar arg nass und lässt sich daher nicht so einfach zusammenrollen und mit nach Hause nehmen. Was also tun?

Als Betrachterin dieser internationalen Produktionen kommt mir eine Idee: „Gebt mir die Bilder, ich deponiere sie im Spielhaus, und das nächste Mal, wenn ihr kommt, nehmt ihr sie wieder mit.“ Mein Vorschlag stößt sofort auf große Zustimmung, vor Begeisterung strahlende Augen blicken mich an. Ich quittiere diese Reaktion der eifrigen Kunstschaffenden vor mir mit tiefer Zufriedenheit. (Aber doch irgendwie komisch, denn meine Idee ist ja gar nicht so originell und ungewöhnlich …)

„Depolierst du mein Bild auch?“, fragt mich eine weitere kleine Künstlerin, eine Zusage erheischend. Ich will gerade ansetzen: „Selbstverständlich, aber es heißt …“, da durchzuckt es mich. „Wisst ihr denn, was ‚deponieren‘ bedeutet?“, will ich von den mich umlagernden Schulkindern wissen. „Nein“, ertönt es unisono, aber immer noch begeistert zustimmend.

„Also ich wollte sagen, dass ich eure Bilder weglegen werde, damit sie nicht kaputtgehen, solange sie noch nass sind“, erläutere ich meine Absicht. Die kindlichen Mundwinkel vor mir sinken schlagartig nach unten. „Waaas? Nur weglegen? Nein, das wollen wir nicht!“

Und so ziehen die jungen Künstlerinnen und Künstler aus den verschiedensten Ecken unserer Welt ihre bunten, durchweichten Blätter vom Tisch und versuchen, sie irgendwie in ihr Gladbacher Zuhause zu transportieren. Halt, ich wollte sagen: zu tragen.

Internationale Verständigung und dazu kindgerecht ist eben doch eine echte Herausforderung!

Sylvia Greßler, Oktober 2011

 

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