Menschenrechte und Karriere: Feministisches Coaching

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US-Medienstar Oprah Winfrey macht Betroffenen sexualisierter Gewalt Mut, indem sie seit Jahren öffentlich von eigenen Gewalterfahrungen berichtet. Ihrer Karriere hat das nicht geschadet. Senior Coach Birgitt Morrien folgt diesem Beispiel und setzt das Thema (damit) auf die Coaching-Agenda.

Kein Wunder, dass nur Prominente bestimmte Dinge öffentlich machen. Die Aura des Erfolgs schützt sie. So geht es der US-TV-Moderatorin Oprah Winfrey und der Literaturnobelpreisträgerin Annie Ernaux, die beide (1) öffentlich über Erfahrungen sexualisierter Gewalt sprechen. Die Kölner Coaching-Expertin Birgitt Morrien berät als Kommunikationswissenschaftlerin seit 25 Jahren im Schwerpunkt (nicht nur) Medienpersönlichkeiten und sieht es als ihre Aufgabe, ihrerseits dazu beizutragen, ein Tabu weiter abzubauen, das die Täter schützt: „Die erfolgreiche Bewältigung von Krisen hat mich maßgeblich zu der Person gemacht, die ich heute bin. Die Erfahrung sexualisierter Übergriffe bzw. Gewalt ist eine davon, die ich mit Milliarden Menschen teile, zum weitaus größten Teil Mädchen und Frauen.“

Eine Aussage dieser Art fordert immer Standing. Das Fundament muss solide sein, das schwerwiegende Dinge zu tragen hat. So erklärt sich, dass Morrien in ihrer Rede (2) dazu jüngst vor dem Kölner Dom zunächst die Essenz eines ganzen Lebens ausrollt, bevor sie auf den wunden Punkt kommt: Selbstoffenbarung dieser Art ist ihrer Ansicht nach eine Aufgabe, die ebenso sinnstiftend wirken kann wie Entschlossenheit erfordert. Mit 63 Jahren wagt auch die Buchautorin (3) einen Akt der Aufrichtigkeit, um Jüngeren Mut zu machen. Zwar ist sie mit diesem Schritt im Coaching-Business die Erste, folgt damit jedoch Vorbildern in Kunst und Kultur darin, sich von einem mächtigen Schweigegebot zu befreien:

Prominente, die öffentlich über ihre sexualisierten Gewalterfahrungen berichtet haben, sind neben Winfrey und Ernaux etwa auch die international gefeierte Sängerin Duffy (4). Diese berichtet, durch die Gewalterfahrung zehn Jahre ihrer Karriere verloren zu haben. Über Gewalterfahrungen dieser Art schrieb auch Virginia Woolf (5), die in der Folge unter Depressionen litt und sich später das Leben nahm. Die Beispiele zeigen die Notwendigkeit, ein das Leben persönlich und beruflich beeinflussendes Thema über die Therapie hinaus auch im Karriere-Coaching zu berücksichtigen.

Coaches sollten sich mit diesen Zusammenhängen auskennen, um vorbereitet zu sein, wenn im Coaching die Sprache auf (Spät-)Folgen sexualisierter Gewalt kommt. Mehr noch sollten sie auch dahingehend geschult/fortgebildet sein, die unterschiedlichen Spätfolgen einer Traumatisierung zu identifizieren, sollte diese etwa den Hintergrund einer Blockade oder anderer Schwierigkeiten im persönlichen oder beruflichen Alltag bilden. Traumatherapeutische Expertise (6) kann dann dem Coaching folgen bzw. dieses als ergänzende Maßnahme begleiten.

Zur Coaching-Expertise zählt Morriens Ansicht nach auch dieses Wissen. Denn trotz MeToo-Bewegung (7) wirkt das Schweigegebot noch immer, das auch betroffene Führungsfrauen davon abhält, offen über Erfahrungen wie etwa sexualisierte Übergriffe und Nötigung zu sprechen. Aktuell können sie im Coaching nicht davon ausgehen, dass sich ihr Gegenüber mit der Komplexität des Phänomens befasst hat und auskennt. Morrien möchte einen Impuls dazu geben, dass sich das ändert. Die Gesundheit, die Lebensfreude und die Karriere ihrer Klient*innen liegen ihr am Herzen.

Dem Deutschen Bundesverband Coaching DBVC, dem die vielseitige Beraterin angehört, hat sie das Thema bereits unter dem Titel „Wenn Coach und Coachees MeToo sagen“ (8) als Veranstaltungsthema nahegelegt. Es könnte relevant sein, so Morrien, dass Beratende, soweit sie dies bearbeitet haben, offen über ihre Gewalterfahrungen sprechen. Von (sexualisiertem) Machtmissbrauch (im Business) betroffene Klient*innen und Kolleg*innen fühlen sich so gestärkt.

Statistisch gesprochen werden 995 von 1.000 Übergriffen nicht geahndet, was einem Freibrief für Grenzüberschreitungen gleichkommt (9). Besonders gefährdet sind Mädchen und junge Frauen, vor allem im privaten Umfeld, in der Ausbildung oder alltäglich im Business. Immer wieder werden Machtbeziehungen ausgenutzt und gehören sexualisierte Übergriffe für sie zum Alltag in allen Lebens- und Arbeitsbereichen. Auch Morrien berichtet nun als Betroffene öffentlich darüber, da ihrer Meinung nach die Scham nicht den Betroffenen gehört, sondern jenen, die die Taten begingen und begehen.

In der weitaus überwiegenden Zahl sind dies Männer (90%+), die ihre Machtposition missbrauchen. Dabei ist der Thrill für die Täter die Dominanzerfahrung, die sich der Sprache sexualisierter Gewalt bedient. Es geht um die aktive Schwächung des Gegenübers. Systematisch ausgeübt wird dieses Verbrechen in Kriegszeiten (10), wie aktuell u. a. in der Ukraine. Ein Kriegsinstrument, von dem sich jedoch insbesondere Frauen und Mädchen in aller Welt auch in kriegsfreien Zeiten bedroht fühlten und fühlen.

Im Business offen zu Erfahrungen (sexualisierter Gewalt) zu stehen, die stigmatisiert sind, erfordert Mut und Haltung. Doch gelingt gesellschaftliche Entwicklung nur, indem das allgegenwärtige Unrecht öffentlich gemacht wird. „She Said“ (11), der neue Film von Maria Schrader, mache dies einmal mehr deutlich, so Morrien. Der Film berichtet über den von zwei US- Investigativjournalistinnen öffentlich gemachten Fall Harvey Weinstein: Dank der Recherche der beiden Frauen wurde eine Galionsfigur des (Medien-)Business des vielfachen sexualisierten Machtmissbrauchs überführt und zu Fall gebracht.

 

Fußnoten

(1) US-TV-Queen Oprah Winfrey  und Literaturnobelspreisträgerin Annie Ernaux

(2) Die Rede: Auspacken im Alter

(3) Neues Bündnis: Gemeinsam gegen Sexismus &  Literaturliste zu Sexismus & Rassismus  (Stand 2022)

(4) Duffy

(5) Louise de Salvo über Virginia Woolf: Die Auswirkungen des sexuellen Missbrauchs auf ihr Werk. Auf Deutsch antiquarisch erhältlich.

(6) Traumatherapie: Praxisorientierte Literaturempfehlungen

(7) MeToo-Bewegung: #MeToo: Das Buch / #MeToo – Fünf Jahre in Deutschland: “Der Blick ist geschärfter” / #MeToo Gründerin Tarana Burke: ‘You have to use your privilege to serve other people

(8) Wenn Coach und Coachees  MeToo sagen: Es könnte relevant sein, dass Beratende, soweit sie dies bearbeitet haben, offen über ihre Gewalterfahrungen sprechen. Von (sexualisiertem) Machtmissbrauch (im Business) betroffene Klient*innen und Kolleg*innen fühlen sich so gestärkt. Anlässlich des Hollywoodfilms „She said“ (Link) von Maria Schrader, der die erfolgreiche Recherche zweier Journalistinnen zu Harvey Weinstein nacherzählt, möchte ich das Gespräch unter Coaches initiieren.

(10) Vergewaltigung ist ein Kriegsverbrechen, buchstäblich. Es ist ein generelles Verbrechen, dass weltweit genutzt wird, um mehrheitlich (90%+) Mädchen und Frauen zu demütigen. Sexual Assault Statistics 2023 (US & Worldwide) – EarthWeb.  Von 1.000 Vergewaltigungen werden 995 nicht geahndet. Besonders gefährdet sind Mädchen und junge Frauen im Alter zwischen 12 und 17 Jahren.

(11) #MeToo / She Said: Der Film

Hinweis zu finanzieller Förderung von Beratung/Therapie/Coaching für Betroffene sexualisierter Gewalt:

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend übernimmt Verantwortung gegenüber den Betroffenen sexuellen Missbrauchs im Kindes- und Jugendalter. Betroffene sexualisierter Gewalt im Kindes- und Jugendalter erhalten bei Bewilligung nicht nur niedrigschwellige und bedarfsgerechte, sondern auch zukünftig zeitnahe Hilfen. Dazu zählen etwa Therapie-Angebote, aber auch Coaching-Maßnahmen und die Teilnahme an einer Coaching-Fortbildung. Der maximale Bewilligungsrahmen beträgt 10.000 Euro.

Mehr Informationen: Fonds Sexueller Missbrauch & andere Coaching-Förderoptionen

 

Kontakt:

COP – Coaching, Organisation & PR
Dipl. rer. com. Birgitt E. Morrien, M.Sc./USA
Senior Business Coach DBVC

Krüthstr. 27
D-50733 Köln

Fon: +49 221 739 32 62
E-Mail: contact@cop-morrien.de
Homepage: http://www.cop-morrien.de

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