Freie Frauen bleiben dran!

Ein Blick in den Spiegel (Frida Kahlo)

Auf Reisen bis ans Ende Europas

Wir waren gerade in Lissabon. Da las ich zufällig online in einer aktuellen Studie(2), dass in Portugal in der Zeit von 2004 bis 2018 mehr als 500 Frauen von ihren Partnern bzw. Ex-Partnern umgebracht wurden. Ich blickte mich um und sah in jeder der mich umgebenden Frauen plötzlich die Gesichter der Opfer, so geschockt war ich über diese Zahl.

Aber wie ist es bei uns, fragte ich mich, wo lese ich solche Zahlen bei uns? Bei einer kleinen spontanen Online-Recherche erfuhr ich, dass 2018 in Deutschland an jedem dritten Tag ein Mann seine Partnerin bzw. Ex-Partnerin umgebracht hat, so das Bundeskriminalamt(3). Auf den in Portugal berücksichtigten Zeitraum von 14 Jahren hochgerechnet, ergäben das 1.708 ermordete Frauen allein in Deutschland.

Dahinter steckt System

Die Mörder der insgesamt 122 in 2018 getöteten Frauen entstammten allen Schichten und waren zu 41% vor ihrer Tat nicht strafrechtlich in Erscheinung getreten. Gruselig, dachte ich, müssen sich denn die Frauen vor ihren eigenen Partnern am meisten fürchten?

Die beiden Journalist*innen Elisabeth Raether und Michael Schlegel haben alle 122 Fälle recherchiert und einzeln aufgelistet in ihrem Beitrag in Die ZEIT vom 5.12.2019. Sie wundern sich, warum trotz der Menge der Frauenmorde diese kein öffentliches Thema sind. Sind Männer berechtigt, Frauen zu ermorden, ohne dass die schiere Menge der Taten öffentliches Aufsehen erregt? Die systematische Tötung von Frauen, der Femizid(4), ist kein Thema, scheint also tabu zu sein.

Doch die Geschlechterfrage nicht zu stellen, ist ein Luxus, den wir uns einfach nicht leisten können. Es gilt, Frauen (Mädchen, Jungen und auch Männer) vor ausrastenden Männern(8) zu schützen. Zugleich feiert der Oscar-prämierte Kriegsfilm „1917“ Männergewalt in epischen Bildern. Wir feiern gewissermaßen das Internationale Männerfilmjahr, auch wenn es niemand so deklariert hat. Umso dringender schauen Sie sich stattdessen gern mal im aktuellen Frauenfilm(5) um.

Abhängen mit Folgen

Über die Frage nach dem #Gender sollte uns aber auch die nach der (abgehängten) #Klasse beunruhigen. Denn gekränkte #Männer tendieren eher zur Aggression, Frauen zur Depression. Noch immer ist das so oder eher schon wieder: Kleine Jungs, in blaue Hosen gesteckt, werden eher kämpferisch erzogen; Mädchen, in Rosa gekleidet, dagegen auf soziale Dienste abgestellt.

Verschärft sich in Zukunft die soziale Schere noch weiter, wird m.E. das Leben nicht nur zu Hause für die Frauen(6), nein auch für uns alle draußen, noch gefährlicher werden.

Nur eine aktuelle Zahl, laut Die ZEIT(7): In den Jahren von 2010 bis 2020 wurden in Deutschland 182 Frauen und Männer nachweislich allein aus rassistischen Gründen ermordet. Von männlichen Tätern.(8)

 

PS: Die Vision der Yael #Deckelbaum / Women Of The World Unite (Official Video)

 

Literatur:

(1) The Guardian: How long can this Nonsenses of the Oscars failing to nominate Female directors go?

(2) Portugal: Young feminist Europe: Can Feminist MEPs Protect from Portugal‘s System of Violence

Ergänzender Hinweis: Jeden Tag werden in Mexiko zehn Frauen ermordet. Derzeit leben in fast allen Ländern Lateinamerikas lebt der Feminismus wieder auf: Frauen protestieren gegen männliche Gewalt und eine tief verwurzelte Machokultur.  (SZ 10.03.2020)

(3) Die ZEIT: Jeden dritten Tag tötet ein Mann seine Ex-/Partnerin

2020: Wir trauen um Onalia Cendy

(4) FR: Morde an Frauen passieren, weil sie Frauen sind

TED: Why we all should be feminists (Rede von Chimamanda Ngozi Adichie)

We are feminists (Publikation von Margarete Stokowski, Kurt-Tucholsky-Preisträgerin, Autorin Missy Magazine, Spiegel Online u.v.a.)

Top 20 Feminist Blogs & Websites For Women in 2020

Diplomarbeit: Feminismus, Geschlecht und Macht  (Aysel Sirmasac)

Coaching-Blogger: Wann es Zeit ist, den Frauentag abzuschaffen … (Birgitt Morrien)

(5) Frauenfilmfestival 2020

(6) FAZ: Das Zuhause für Frauen ist gefährlich

(7) SZ: Migrant*innen fordern Maßnahmen gegen Rassismus

(8) SZ: Aus einer fernen Zeit: Männlichkeits- und Gewaltfantasien (Über eine Publikation von Klaus Theweleit)

 

PS: So ein Theater: save me not!

HIER gibt es das Programmheft zum kostenlosen Download.

 

 

Informationen zur Beratungsarbeit von Birgitt Morrien (nicht nur) mit weiblichen Führungskräften:

Neue Bücher: Publikationen   / Feedback aus erster Hand: 50+ Case Studies and Stories / Medienecho: Pressespiegel  / Money: Finanzielle Coaching-Förderung

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