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Was Google nicht wissen will

Jede Arbeit zählt, aber nicht gleich viel

Birgitt Morrien

Der ‚Image Atlasstellt die Möglichkeit einer universellen Sprache infrage und soll Zweifel an der angeblichen Unschuld und Neutralität der Algorithmen wecken, auf denen die Suchmaschinen basieren“, schreibt Taryn Simon auf ihrer Website www.tarynsimon.com.

Ähnlich äußerte sie sich zusammen  mit dem Programmierer und Hacktivisten Aaron Swartz auf der „Rhizome Seven on Seven Conference“ 2012 im New Yorker New Museum. Eine Aufzeichnung findet sich unter: vimeo.com/40651117.

Google archiviert in gewisser Weise das globale Wissen – oder das, was man beschließt, dafür zu halten. „Vielleicht beruht jedes Archiv, wie die Bibliothek von Alexandria, auf Katastrophen (oder einer drohenden Katastrophe) – ist dem Verfall verpflichtet, den es nicht verhindern kann“, schreibt der Kunsthistoriker Hal Foster in seinem Essay „An Archival Impulse“.

Eine Freundin von mir hält seit jeher nichts von Archiven. Zumindest archiviert sie selbst nichts. „Alles ist vergänglich“, so sagt sie. Warum es also festhalten wollen? Es bleibt alles ohnehin als Information „im Äther“ erhalten und damit zumindest für Sensitive weiterhin bei Bedarf abrufbar.

Wenn schon Archivierung, meint sie, dann im Bewusstsein der absoluten Relativität des Archivierten. Die Geschichte der Strichjungen und Straßenfeger ist nirgends archiviert, weil ihnen die Lobby fehlt. Google als ein Wirtschaftsunternehmen ordne die Logik der Algorithmen den Interessen des Profits unter.

Wenn schon Archivierung, meint sie, dann mit einem Sinn für die Notwendigkeit des Verfalls. Das Kölner Stadtarchiv hat das exemplarisch gezeigt. Glücklicherweise war es kein Krieg, der das Archiv vernichtete, sondern „nur“ die Folge des Kölner Klüngels.  


Hinweis: Inspiration des Textes durch die Lektüre der „Monopol“-Ausgabe „Was Google nicht weiß. Diese Frau ordnet die Welt der Bilder. Und erzeugt eine neue Ästhetik. Ein Künstlerheft von Taryn Simon“ (01.2014)

 

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