Ma – ma – ma. Vom Stammeln & Verstehen

Wenn wir nicht weiterwissen, dürfen wir das äußern. Tun wir dies aufrichtig, wird uns geholfen. Eine Gewissheit, die in überfordernden Zeiten tröstend wirken kann, sei es beruflich oder privat. Davon weiß Martin Buber aktuell im Coaching-Blogger zu berichten.

Ein berühmter Rabbi kam einst in eine Herberge, wo viele Kaufleute eingekehrt waren, die zu einem Markt fuhren. Der Ort war fern seiner Heimat, so kannte ihn niemand. Am frühen Morgen wollten die Gäste beten; da sich aber im ganzen Haus nur ein einziges Paar Tefillin fand, zog einer nach dem andern sie an, sprach in Eile das Gebet und reichte sie dem nächsten. Als alle fertig waren, rief der Rabbi zwei junge Leute zu sich heran, er wolle sie etwas fragen.


Sie traten näher, er sah ihnen ernsthaft ins Angesicht und sagte: „Ma – ma – ma – wa – wa – wa.“ „Was wollt ihr?“ riefen die Jünglinge, erhielten aber nichts zur Antwort als die gleichen wirren Laute. Da hielten sie ihn für einen Narren. Nun aber redete er sie an: „Wie, versteht Ihr die Sprache nicht und habt doch soeben zu Gott dem Herrn in ihr gesprochen?“


Einen Augenblick schwiegen die Leute, dann aber sagte einer: „Habt Ihr nicht ein Kind in der Wiege liegen sehen, das die Stimme noch nicht zu gliedern vermag? Habt Ihr nicht gehört, wie es allerlei Geräusch mit seinem Munde macht: Ma – ma – ma – wa – wa – wa. Alle Weisen und Gelehrten können es nicht verstehen. Wenn aber seine Mutter hinzukommt, weiß sie sogleich, was die Laute meinen.“


Als der Rabbi diese Antwort vernahm, begann er zu tanzen vor Freude. Und wenn er sich in den folgenden Jahren an den „Furchtbaren Tagen“ mit Gott mitten im Gebet nach seiner Art unterredete, pflegte er ihm diese Antwort zu erzählen.

 

Quelle: Die Erzählungen der Chassidim 
             

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