Hexenschuss für Manager – Die unverhoffte Erfolgsspritze

Karriere-Wissen: Um das Besondere in sich entdecken zu können, muss man erst das Einfache in sich annehmen. Selbstbekundungen einer Vertriebsleiterin, von Exzellenz besessen, die ihren Erfolg durch eine Panne fand.

Körperliche Krisen kenne ich bisher keine, trotz meiner 49 Lebensjahre. In all den Jahren gab es allenfalls einen Kater nach einer durchzechten Nacht. Insofern fiel es mir schwer, diese plötzliche Schmerzattacke richtig zuzuordnen. Mein Freund kannte sich damit besser aus und diagnostizierte aus dem Stand einen Hexenschuss. Es war ein Samstag, und ich hatte vor, mich zu schonen, um am Montag für mein erstes Vertriebscoaching fit auf der Matte zu stehen.


Das Konzert für den Abend wurde daher kurzerhand abgesagt, der Besuch bei Freunden für den Sonntag auch. Mit dem Schmerz verging mir jede soziale und kulturelle Lust. Mir war nach Ruhe und schleichenden Spaziergängen, nach behutsamen Schritten durch naheliegende Straßen. Um dabei gleich an der ersten Ecke jenem Leisetreter aus der Nachbarschaft zu begegnen, der mit seinem alten Hund betulich an mir vorbeizog. Wie immer ganz in sich vertieft.


Großmut trifft Einsicht

Plötzlich empfand ich meinen stechenden Schmerz als tröstlich. Bei diesem Anblick schien es mir unverhofft erlaubt, es dem Mann in seiner Gemächlichkeit gleichzutun, und ich ging einfach nur so daher. Langsam und jeden Schritt in ganz neuer Weise wahrnehmend. Und entdeckte, dass mein Ärger über die verdammte Selbstbezogenheit dieses Typen, der einfach nie grüßen wollte, offenbar von Neid genährt war, der nun einer stillen Sympathie wich.


So fand mich der Montag zwar unverändert humpelnd, doch auch um eine Einsicht reicher. Fast gütlich mit mir selbst und entschieden, mich ganz auf neues Terrain zu wagen: "Es ist wie ein Zwang. Einfach gut zu sein, reicht mir nicht," gestand ich Birgitt Morrien, meiner Beraterin, gleich zu Beginn. "Ich muss in allem exzellent sein und habe auch das Zeug dazu. Aber irgendwas in mir hält mich zugleich davon ab. Das will ich hier ändern!"


Morrien besah mich mit einem nickenden Schmunzeln, und ich fühlte mich an Vorwarnungen von Kollegen erinnert, durch die ich an diese großgewachsene Frau geraten war. Ihre Methoden seien gewöhnungsbedürftig, hatten sie verraten, dafür aber außerordentlich wirkungsvoll. Und mir schwante, Morrien möchte mich nun in ungeahnter Weise heftig an die Kandare nehmen. Was sie nicht tat, stattdessen aber in klaren Schritten eher sanft zur Sache kam, was mich Vertrauen schöpfen ließ.


Erbmasse haufenweise

Sie stellte einen leeren Sessel vor mich hin und bat mich, mir vorzustellen, darauf nähme mein leibhaftiges Familienerbe Platz. Keine wirklich schwere Übung für mich, wo ich mich lange mit meiner Familie beschäftigt und längst mit ihr ausgesöhnt habe. Umso verwunderter war ich, als sich mir sogleich das Bild eines klumpigen Haufens einstellte, groß und grau.
Bevor mich jedoch der Schrecken packen konnte, hatte mich Morrien durch eine imaginäre Lichtschranke davon getrennt, die sie kraft einer entschiedenen Geste durch den Raum zog. Und schlug schon vor, sich mit dem Haufen unterhalten zu wollen, um so Informationen aus erster Hand zu erhalten.


Ich lehnte mich zurück, im Begriff abzuwarten, was die Besprechung wohl ergeben würde. Und war dann denkbar überrascht, als sich die Lichtschranke auf Befehl der Beraterin kurz öffnete und ich selbst gefragt war, auf dem Erbsessel Platz zu nehmen, um ihr aus dieser Perspektive Rede und Antwort zu stehen. Da mir diese Vorgabe jedoch irgendwie schlüssig schien und unbedingt, fand ich mich schnell in der neuen Rolle zurecht.


Die Antworten auf Morriens Fragen purzelten nur so aus mir als Erbhaufen heraus: Er habe es schließlich schwer gehabt und ein Recht darauf, von mir als seinem Nachfahr nicht verraten zu werden. Die schlimmen Zeiten dürfe ich nicht einfach vergessen, nicht die vielen Toten, die im Krieg und auf der Flucht. Auch nicht all die Ängste und Nöte der Nachkriegszeit. Ich sei ihm verpflichtet, da gäbe es kein Pardon, sprach der Haufen sicher aus mir heraus.


Wie erleichtert ich war, mich danach wieder als Nachfahr in Sicherheit auf meinem Sessel der Jetzt-Zeit zu wähnen. Die anmaßenden, unerbittlichen Nachrichten meiner Erbschaft hatten mich zugleich verblüfft und erschrocken. Und dennoch spürte ich, dass mich deren dumpfer Schleier als Blockade noch immer begleitete. Zeit meines Lebens hatte er mich davon zurückgehalten, einfach nur ich selbst zu sein, glücklich und ohne Schuldgefühle.


Entwirrungen

Ich war verblüfft. Doch bevor ich mich dieser Empfindung überlassen konnte, stellte Morrien einen zweiten Sessel neben den des grauen Erbes. Sie schlug vor, ich solle ihr nun einer neuen Rolle Rede und Antwort stehen. Und tatsächlich sprudelte es auch aus mir als einem noch "ungelebten Erbe" nur so heraus: Ihm sei so sehr danach, hieß es entschieden, in seinem Nachfahr endlich das langersehnte Glück zu finden, frei zu sein von dieser unendlichen Schwere, leicht! -


Schließlich war es mir sehr angenehm, diesem lichten Erbe gegenüberzusitzen. Sein Begehren zu spüren und seinen berechtigten Anspruch, endlich durch mich auch in unserer Familie Gestalt annehmen zu dürfen. Ich fühlte mich erleichtert und augenblicklich bereit, dieser Einladung ins Licht zu folgen. Es war wie die lang ersehnte Erlaubnis, die alte Schwere endlich loszulassen und mich einem von mir gewählten Leben in neuer Weise öffnen und hingeben zu dürfen.


Da saß ich und war gerührt und doch zugleich auch verunsichert, wie mich diese fraglos erleichternde Empfindung in meiner Arbeit weiterbringen sollte. Und spürte zugleich, dass diese Selbstbefreiung natürlich in alle Bereiche meines Lebens abstrahlen würde, natürlich auch in meine beruflichen Aufgabenbereiche.


Erinnerungen aus der Zukunft

Morrien lenkte daraufhin meine Aufmerksamkeit in einen anderen Bereich, zeitlich später gelegen. Sie lud mich ein, mit ihr auf mentale Reisen zu gehen, wobei ich mich auf dem Sitzsofa ihrer Beratungspraxis einem netten Dämmer hingeben durfte. Erstaunlich leicht gelang es mir, Morriens angenehm anleitender Stimme zu folgen und mich so später in meinem Leben als alte Frau wiederzufinden, die sich an die kostbarsten Augenblicke ihres Lebens erinnert.


Die Ergebnisse der Reise waren überraschend für mich, da die erinnerten Augenblicke bis zu meinem 49. Jahr allesamt solche waren, die ich mir bei näherem Überlegen sicher nicht ausgesucht hätte. Da war es der Nachbar, der es auf geniale Weise verstand, mich als Mädchen an den Ohren hochzuziehen, was mich vor Freude juchzen ließ. Oder später die 35-Jährige, die innig vertieft mit Freunden beim Italiener sitzt und - nebst exzellenter Nudeln - ihre letzte Trennung verdaut.


Als 55-Jährige sah ich mich auf einem wunderbaren Fest mit meinem Lebensgefährten, mit Freundinnen und Freunden in einem großzügigen Ambiente, in das ich sie alle ganz offensichtlich als Gastgeberin eingeladen hatte. Ein berauschendes Gefühl, einfach wunderbar, und doch beschäftigte mich sofort vor allem diese Frage: Was hat dieser private biografische Paukenschlag mit meiner beruflichen Karriere zu tun?


Wenn mir das Fest als Detail keine Antwort liefere, dann müsse ich auf den Kontext achten, verriet Morrien verheißungsvoll. Immerhin sei ein solches Fest mit erheblichen Kosten verbunden, und wir dürften wohl rückschließen, dass die Gastgeberin offenbar über entsprechende Mittel verfüge, ein solches Fest auch auszurichten. Demnach werde sich meine Karriere in einer Weise entwickeln, die mir ermögliche, solch kühne Pläne auch praktisch umzusetzen.


Von Ängsten, Eulen und Schlangen

Bei aller Schlüssigkeit des Gedankens fehlte mir der rechte Glaube. Und Morrien,  meine Besorgnis ernst nehmend, lud nun eben diese ein, sich in bekannter Weise auf dem Platz vor mir einzufinden. Und schon war sie da, Ausgeburt meiner größten Furcht, eine mächtige Schlange. Leicht in der Lage, mich zu erwürgen, hätte nicht Morrien zu meiner Sicherheit längst die Lichtschranke installiert.


In dieser Art sicher, konnte ich mir das fraglos beeindruckende Wesen in Ruhe ansehen. Und es gelang mir sogar, Morriens Aufforderung folgend, auf dem Schlangensessel Platz zu nehmen, um mich aus dieser Ansicht weiteren Fragen zu stellen. Alt sei sie, berichtete die Schlange, sehr alt. Aber erst kürzlich in mein Leben eingetreten. Wohlgesonnen sei sie mir trotz all meiner Furcht.


Auf Morriens Nachfassen hin war zu erfahren, sie sei durchaus bereit, mir als Beraterin zur Seite zu stehen. Sich mir sprichwörtlich zur Seite zu stellen, sodass ich sie jederzeit befragen könne und auf ihre Unterstützung zählen. Und so stand schließlich der Schlangensessel jenseits der Lichtschranke gleich neben mir und ich fand zögernden Gefallen daran, sie als neue Beraterin ständig bei mir zu wissen.


Einer alten ägyptischen Sphinx gleich, stand mir nun also ein mächtiges Tier zur Seite. Der Schlange zur Rechten folgte zur Linken noch eine Eule, die sich mir auf den Ruf nach weitsichtigen Entscheidungen zu erkennen gegeben hatte. Und ich musste unwillkürlich lachen über solche Spielerei. Das konnte doch alles irgendwie nicht wahr sein! Aber Morrien gab sich weiter seriös und sprach von der Aktualität dieser im Ursprung schamanischen Methode. Auch moderne Mächte wüssten sich solcher Stilmittel zu bedienen: Esso arbeitet mit dem Tiger, Shell mit wilden Pferden... Und so fasste ich wieder Vertrauen und war bereit, den Transfer in die Verhandlungsführung zu wagen.


Probelauf des neuen Ich

Und schon finde ich mich in einer szenischen Übung meinem Vorgesetzten gegenüber. Wie in der Praxis erreicht mich seine Machtaura auch hier, die des Vorgesetzten und des massigen Mannes. Anders als sonst, bin ich nun flankiert
von meiner Schlange und der Eule. Ich fühle mich ungleich stärker als sonst in einer für mich herausfordernden Situation, in der es um eine nicht vorgesehene leistungsbezogene Gehaltserhöhung gehen soll.


Morrien bittet mich, den Platz des Mächtigen einzunehmen. Und in bekannter Killerrhetorik hebe ich in der Rolle des Vorgesetzten an, mein Gegenüber um den Verstand zu reden. Doch als ich mich in dem Setting auf meinem eigenen Sessel wiederfinde, spüre ich die Schlange sich mächtig aufbäumen, in offen drohender Gebärde. Und nehme augenblicklich auch Rücksprache mit meiner Eule, die mir rät abzuwarten, mich jedoch schon einmal in meiner neuen Macht zu zeigen.


Die neue Macht ist das in mir erwachende Bewusstsein, als Meinungsträgerin im Unternehmen über nicht unerheblichen Einfluss zu verfügen. Die Schlange lässt mich diese informelle Macht in neuer Weise fühlen. Und die Eule verhilft mir zu einer Art souveräner Zurückhaltung, die es versteht, zu eigenen Gunsten strategisch vorzugehen. "Es reicht schon, das Messer zu zeigen", meint Morrien. "Sie brauchen es nicht zu benutzen, außer im Notfall."


Ich bin stark!

Ich habe begriffen, real ist, was ich erlebe: Schlange und Eule habe ich als kompetente Beraterinnen erlebt. Durch sie fühle ich mich für kommende Verhandlungen besser gewappnet. Ihre Präsenz bewirkt, mich in neuer Weise für meine Aufgaben als Vertriebsleiterin gestärkt zu fühlen.


"Es ist wie bei einem Lottogewinn," sagt Morrien. "Sie mögen die Neuigkeit noch so gut vor Ihrem Umfeld verbergen. Sie werden das Bewusstsein Ihres neuen Reichtums dennoch abstrahlen. Und da Sie durch Ihre Erfahrungen hier bereichert sind, spürt dies auch Ihr Gegenüber: Das lichte Erbe, die Klarheit der Eule und die Macht der Schlange. Man wird diese Veränderung an Ihnen wahrnehmen!"


Ich habe beschlossen, mich mehr und mehr mit meinen neuen Gewissheiten anzufreunden. Ich werde sie mir als Bild an die Wand hängen oder als  Schlüsselanhänger bei mir tragen. Meine Gewissheiten sind mir der Spiegel, in den zu sehen mich noch sicherer macht, noch selbstbewusster.

 

 

 

Anmerkungen von Birgitt Morrien zu dem von ihr aus der Sicht einer Klientin verfaßten Text:

Die im Text vorgestellten Techniken sind ausgewählte Bestandteile meiner Beratungsmethode "DreamGuidance". Das ganzheitlich angelegte Konzept verstehe ich als "project in process", das sich durch meine Erfahrungen in Beratung, Lehre und Forschung fortlaufend verändert.

Seit inzwischen zehn Jahren begleite ich vor allem Kommunikations- und Medienschaffende bei der besseren Bewältigung ihrer beruflichen Herausforderungen. Mögliche Themen sind Führung und Kommunikation, Selbstmanagement und Marketing.

Mehr Informationen zum Thema finden Sie außer im Logbuch auch auf der COP-Website unter "DreamGuidance" und "Referenzen".

  


 

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