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Vom Stotterer zum Showmaster

Fremde Erwartungen prägen früh unser Denken und Fühlen. Unsere beruflichen Wünsche orientieren sich in der Folge nicht immer an unseren tatsächlichen Potenzialen und Neigungen. Und wenn doch, dann behalten wir sie oft für uns und sprechen nicht darüber. Aus Sorge, belächelt zu werden oder zumindest nicht verstanden. Die wahre Geschichte eines Benachteiligten, dem es gelingt, seinen Traum dennoch zu verwirklichen.

Schnellredner Heck als junger Mann

Birgitt E. Morrien

Der kleine Dieter Thomas Heck stottert. Und um ihn herum wünschen ihm alle alles Gute. Nur sprechen sollte er nicht müssen in seinem späteren Beruf. Darin ist man sich einig. Journalist könnte er doch werden bei der Tageszeitung oder sogar Schriftsteller.

Aber Dieter will kein Schreiber werden. Was er will, weiß er nicht, sagt er. Beharrlich hält er dem Erwartungsdruck stand, der oft zu beruflichen Fehlentscheidungen führt mit Folgen wie geringer Motivation, hoher Arbeitsunzufriedenheit, geringer Stresstoleranz, innerer Kündigung oder gar Depressionen.

Wider jedes bessere Wissen träumt der kleine Heck heimlich davon, später als begnadeter Schnellredner auf der Bühne zu stehen. Zuvor jedoch wird er als junger Mann stotternd ein Coaching absolvieren, um seinen Traum wirklich wahrzumachen.

Denn dazu fühlt er sich berufen, verrät er mir vielleicht zu Beratungsbeginn und fürchtet zugleich, es nicht zu schaffen, weil ja doch alles dagegenspricht. Er fühlt sich von dieser Ambivalenz total blockiert, unfähig, vorbehaltlos in Richtung auf das große Ziel hin aufzubrechen.

Rein kognitive, nur den Intellekt ansprechende Beratungsmethoden überspringen den not-wendigen Arbeitsschritt, solche Blockaden auch auf der emotionalen Ebene anzugehen. In der Folge können sich diese sogar verstärken.

Um das zu vermeiden, heißt es zunächst, sich Hecks ängstlicher Befangenheit zu stellen und sie zugleich aufzulösen, damit der Blick auf neue Möglichkeiten frei wird. (Angst von lat. angustia, die Enge) Das gelingt, indem er seinen Wunsch tatsächlich als tragfähige Perspektive erkennen, d.h. sich darin sehen, hören und rundum fühlend erleben kann.

Praktisch erfahrbar wird Heck dies womöglich über einen gelenkten Tagtraum ins hohe Alter, von wo aus er sich an Höhepunkte seiner Karriere als Showmaster erinnert. Und das damit verbundene tiefe Glücksempfinden löst endlich den Knoten!

Daher zielt meine ganzheitliche Laufbahnberatung darauf, die Kongruenz von persönlicher Neigung, fachlichem Können und beruflicher Aufgabe zu erhöhen. Denn was wir gern machen, das machen wir in der Regel ja auch gut.

Folglich gilt es, zu Beginn einer jeden Perspektivenentwicklung, genau das herauszufinden. Und alle weiteren Planungsschritte haben dem zu folgen, was sich dabei als Klarheit herausstellt. In Hecks Fall ist die Sache klar, Stottern hin oder her, er wird als Showmaster seinen Weg machen.

Jedoch nur, wenn es ihm gelingt, dauerhaft die nötige Disziplin und Beharrlichkeit aufzubringen, auch Durststrecken zu überwinden. Sich auf den langen Weg des Lernens zu machen, der manche Reisende, die sich auf Neuland vorwagen, schon einmal quer durch die Wüste führt. Dorthin, wo außer weiten Horizonten, glühender Hitze und karger Kost nicht viel zu holen ist.

Doch das schon vorweggenommene Ankommen hilft Dieter Thomas Heck, sein Ziel – über schmerzliche Strecken stolpernden Gestotters hinweg – tatsächlich zu erreichen. Er folgt seinem Traum und verwirklicht ihn.

Die Dynamisierung der Arbeitsmärkte verlangt immer stärker nach Arbeitskräften, die souverän mit Veränderung umgehen können. Das gelingt jedoch nur denjenigen, die darin geschult sind, äußere Unwägbarkeiten durch den roten Faden innerer Klarheit auszubalancieren.

Ohne seine innere Zielklarheit wäre es Heck in dieser Welt, die Stottern und Show als unvereinbar definiert, sicher nicht möglich gewesen, seinen Weg erfolgreich einzuschlagen.

Das hohe geistige Niveau, in sich klar und damit zugleich unabhängig zu sein, ist die Voraussetzung für pro-kreative Schritte, die es uns erlauben, dem Markt weniger nachzulaufen (um dann doch zu spät am falschen Platz zu landen), sondern vielmehr diesen in seinen Möglichkeiten vorwegzunehmen.

Das gilt auch für oft zitierte Innovatoren wie etwa Steve Jobs, der den iPod auf den Markt brachte, weil sein Bauchgefühl ihm sagte, die Zeit sei reif dafür. Er nahm den Bedarf der Zukunft einfach vorweg. Und tat, was er für richtig hielt, indem er seiner Intuition mehr traute als professionellen Marktanalysen.

Dank innerer Klarheit finden wir den Mut, endlich wieder das zu tun, was wir wirklich wollen. Wir folgen unserer Wahrnehmung, wissend, wer wir sind und was wir brauchen. Darin erkennen wir zugleich die Bedürfnisse unserer Zeit.

Unsere Portfolios sind Ausdruck dieser Erkenntnis. Durch unser berufliches Engagement schaffen wir Antworten auf die Fragen unserer Zeit. Unser Leben hat endlich wieder einen Sinn.

Erstveröffentlichung: 6.9.2008

 

PS: Zwei Avantgardistinnen der virtuellen Welt, die die Zukunft der Medien maßgeblich mit beeinflußt haben, seien hier außerdem erwähnt:

1. Meg Hourihan, die blogger.com erfunden hat und damit eine Lawine von Volksmedien lostrat. Mit den einfachen Online-Journalen, den Weblogs, erhalten Leser/innen, Zuschauer/innen und Zuhörer/innen, aber auch Journalisten, eine erfrischend menschliche Stimme.

2. Catarina Fake entwickelte den Dienst namens flickr.com und stellt damit nicht nur ein mächtiges Online-Album bereit: Vielmehr zeigt die Gemeinschaft rund um die Bilder, wie selbst organisierende Massenmedien entstehen können. Hevorragende Fotos von professioneller Qualität spült Flickr aus einem Meer des Belanglosen ganz ohne Redaktion nach oben. Inzwischen greifen auch Tageszeitungen auf das Material zurück, das vielfach schneller greifbar ist als das Material klassischer Redaktionen

 

Ausgewählte Buchveröffentlichung
zum ganzheitlichen Karriere-Coaching mit DreamGuidance:

Birgitt Morrien
Coaching mit DreamGuidance   (eBook – Download kostenlos (PDF)
Wie berufliche Visionen Wirklichkeit werden Paperback,
Klappenbroschur, Kösel-Verlag, München
 

 

 

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