| Management & Karriere

Karriere: Rasant durch Raum & Zeit

Die Kölner Kommunikationswissenschaftlerin Birgitt E. Morrien kreiert Karrieren mit eigener Visionstechnik. Ein Agenturchef und Trendscout lässt sich seit einem Jahr von ihr im Coaching inspirieren und startet erfolgreich durch. Die Leiterin der Digitalredaktion des Kölner Stadtanzeigers hat die Methode getestet und ist dabei zu überraschend neuen Erkenntnissen gelangt. (Druckversion)

Die Erleuchtung (Foto: Morrien / Maastricht 2015)

Ein winziges Haus am Meer, eine gemütliche einfache Küche, duftender Jasmin im Garten. Am Tisch sitze ich im Dämmerlicht, mit grauen Haaren und Brille, 75 Jahre alt und rundrum zufrieden. „Sie werden eine glückliche alte Frau, so viel ist schon mal klar“, sagt die Kommunikationswissenschaftlerin Birgitt E. Morrien. „Beschäftigen wir uns doch jetzt mal mit den nächsten drei Jahren.“

Es ist fünf Uhr nachmittags, und ich habe soeben mein ganzes Leben bereist. Beziehungsweise - eine kleine, feine Auswahl lichter und schöner Momente. Schnappschüsse, die für ein geglücktes und erfolgreiches Leben stehen. Ich bin als Fünfjährige unter griechischer Mittagssonne in einem Schwimmbad getaucht. Habe mich erinnert, wie sich mein ältestes Kind zum ersten Mal in meinem Bauch bewegte und durfte bereits einen Enkel in die Arme schließen - die Reise geht auch zurück in die Zukunft.

Ziel ist es, elementare Bedürfnisse zu entdecken

„Dream-Guidance“ nennt die Kölner Kommunikationstrainerin Birgitt E. Morrien ihr Programm mit geführten Tagträumen, die den Weg zu verborgenen Wünschen ebnen sollen. Eine Dreiviertel-Stunde verbringt man - nach intensiver Vorbereitung - auf der Couch, während Morrien zur Gedankenreise einlädt. Ziel ist es, elementare Bedürfnisse freizulegen, die sich nicht selten davon unterscheiden, was die Klienten formulierten: „Meine Coachees sind in der Regel erfolgreich und schlau, sehr schlau“, sagt Morrien und lächelt schelmisch. „Die erzählen mir einen vom Pferd. “

So esoterisch die Methode anmutet, so präzise und pragmatisch sind die Ziele, die Morrien damit verfolgt. „Zufriedenheit schafft Erfolg“, sagt die Coacherin. Wer zu lange Hochleistungen gegen innere Widerstände bringe, könne sogar krank werden. „Nur wer kompatibel mit sich selbst ist, kann wirklich erfolgreich sein.“

Ihren eigenen Erfolg will sie nun durch ein Forschungsprojekt der Uni Köln belegen lassen. Rund hundert dokumentierte Beratungsprozesse werden wissenschaftlich ausgewertet und auf ihre Wirksamkeit überprüft. Die Langzeitstudie wird 2011 zu gesicherten Ergebnissen kommen.

Die Träume verselbständigen sich

Den Kopf abschalten und sich den inneren Bildern anvertrauen. Nach anfänglichen Blockaden beginnen sich bei der Traumreise die Bilder zu verselbständigen und ein Eigenleben zu führen. Was ist das für eine Szene wie aus einer französischen Weichkäsewerbung? Ich mit Freunden an einem langen Tisch unter blühenden Apfelbäumen. Irgendwann kann ich mir die Bilder nicht mehr aussuchen, die Morrien mit monotoner Stimme hervorlockt. Die Situation - ich mit hochgelegten Beinen auf der Couch - ist mir unterdessen nicht mehr peinlich. „Das Wachbewusstsein tritt zurück, aber die Kontrolle bleibt“, erklärt die Kölnerin ihr Verfahren. Dadurch unterscheidet es sich deutlich von der Hypnose - „Sie können jederzeit aussteigen, wenn Sie wollen.“ Gut für Kontrollfreaks.

„Mir geht es um die geistige Anbahnung von Perspektiven“, sagt sie. Wer sich auf Morriens Konzept einlässt, dem geht es nicht nur um kurzfristige Ziele oder aktuelle Konflikte, die es zu lösen gilt. Coaching-Erfahrene werden sich vielleicht sogar wundern, wie wenig die Trainerin von der beruflichen Situation, Zoff mit Chef oder Kollegen oder dem alltäglichen Ringen um Erfolg wissen will.

Stattdessen schlägt sie den großen Bogen, von der Vergangenheit in die Zukunft und zurück in die Gegenwart. „Was haben Ihre Urgroßeltern eigentlich so beruflich gemacht?“, fragt sie und lacht über mein erstauntes Gesicht.

Ein Bau-Chef ging nach einer Viertelstunde

Hat die Traumreise denn auch schon mal versagt? „Einmal in zehn Jahren“, erzählt Morrien. Da habe auf Ihrer Couch eine Führungskraft aus dem Baugewerbe gelegen. „Nach einer Viertelstunde hat er sich aufgerichtet: »Ne, Morrien«, hat er gesagt, »das hier ist doch nicht meine Baustelle.«“

„Dream-Guidance ist nicht nur was für Manager“, sagt Morrien. In der Regel sind die Traumreisen in einen längeren Coaching-Prozess eingegliedert, den Morrien von der Vision bis hin zur konkreten Umsetzung begleitet. Der Kölner Christopher Peterka, 28, Besitzer einer Kreativagentur hat sich vor einem Jahr auf das Wagnis Dreamcoaching eingelassen. Zehn Jahre war er da bereits selbständig, Chef von zehn Mitarbeitern.

„Vor dem Coaching war ich an meine Grenzen gestoßen“, erzählt er. Er sah eine Alternative - entweder einen Geschäftsführer mit mehr Erfahrung einstellen und ins zweite Glied zurücktreten. Oder mit neuen Techniken Erfahrungen sammeln und die berufliche Zukunft neu definieren. „Die Tagträume haben mich inspiriert und eine innere Diskussion mit mir selbst ausgelöst“, erzählt er. In der Zeit danach habe er ständig sein Leben mit der Vorlage seiner Träume abgeglichen. Das Ergebnis? „Ich bin gelassener geworden, geduldiger mit mir selbst. Ich habe meine Ernährung umgestellt. Ich habe gelernt, mich nicht kaputtzuarbeiten.“

Mein persönliches Drei-Jahres-Ziel? Auf jeden Fall einen Marathon laufen. Dabei muss man die Bilder aber nicht eins zu eins übersetzen. Ein Marathon kann für Ausdauer und Hartnäckigkeit stehen - nach aufreibenden Sprintstrecken. Gemeinsam erarbeiten wir einen Plan. „Sie haben noch zu viel Energie, um sich unter blühende Apfelbäume zu setzen“, sagt Morrien, als wir an meinem ganz persönlichen Erfolgsprinzip tüfteln. „Sie müssen sich austoben!“

(Druckversion)

 

Die Autorin:

Ismene Poulakos, Jahrgang 1970, Leiterin Innovationsmanagement DuMont Mediengruppe. Zuvor hat sie beim Kölner Stadt-Anzeiger das Ressort "Magazin" geleitet. Sie ist verheiratet und Mutter von einem Sohn und einer Tochter. Sie studierte Soziologie, Psychologie und Medienwissenschaften in Düsseldorf. Für ihre journalistische Arbeit wurde sie mit dem Kölner Medienpreis und dem Ravensburger Medienpreis ausgezeichnet. Für das Konzept des "Magazins" gewann sie mit ihrem Team den Preis für Verbraucherjournalismus der Stiftung Warentest.

Sieben Jahre später

Ismene Poulakos übernimmt die Leitung der Digitalredaktion des „Kölner Stadt-Anzeiger“. Sie wechselt an die Spitze der Digital-Redaktion des „Kölner Stadt-Anzeiger“ und übernimmt die Leitung von ksta.de. Poulakos entwickelt vor allem regional neue redaktionelle Formate und etabliert ksta.de als noch prägnantere digitale Marke im Rheinland.

 

Ausgewählte Literatur über und von Birgitt Morrien:

Mehr als 50 Klientinnen und Klienten berichten im Coaching-Blogger über ihre Erfahrung im Coaching mit DreamGuidance bei Birgitt Morrien.  In der Kösel-Publikation "Coaching mit DreamGuidance. Wie berufliche Visionen Wirklichkeit werden" legt die Senior Beraterin ihre Methode theoretisch und praktisch dar. Die Autorin stellt ihre Veröffentlichung jetzt Interessierten kostenlos als eBook bereit. Gratis Download hier: COP-Coaching >Media

 

Share

Kommentar Schreiben