Draufgängerinnen

Draufgängerinnen. All Adventurous Women Do von Tanja Šljivar (Regie: Salome Dastmalchi) erzählt die Geschichte einer "kollektiven Schwangerschaft" von sieben Teenagerinnen und von ihrer Selbstbestimmung über das eigene Leben, den eigenen Körper. Mit diesem Stück feiert das Junge Deutsche Theater die nächste Uraufführung am Sonntag, den 15. April in der Box.

Ende 2014 wird die "kollektive Schwangerschaft" von sieben Teenagerinnen in bosnischen und internationalen Medien skandalisiert. Viel wird gemutmaßt und geurteilt über diese Mädchen. Sie selbst kommen nicht zu Wort. Der Autorin geht es jedoch weder um Ursachenforschung noch um Aufklärung.

Sie lässt sieben dreizehnjährige Draufgängerinnen in sieben Szenen wild über Schwangerschaftstests, Instagram, Chauvinismus, Großmütter, Piercings, Gesellschaftsutopien, Pornographie, Kritische Theorie, Abtreibungen und Klassenfahrten sprechen. Alle Erinnerungen, alle Aussagen sind höchst fragwürdig und mit Vorsicht zu genießen, denn sie sind bereit, alles zu erzählen, außer wie sie wirklich schwanger geworden sind.

Es entsteht ein vielstimmiger Chor der Ungehörten über die Notwendigkeit wegzugehen, um über den eigenen Körper, das eigene Leben bestimmen zu können. Und dass es egal ist, aus einer Gesellschaft ausgestoßen zu werden, der man nie angehört hat.

 

Regie Salome Dastmalchi

Salome Dastmalchi wurde in Berlin geboren und studierte von 2002 bis 2006 an der Hochschule der Künste in Bern Schauspiel, anschließend tourte sie mit Return to Sender von Helena Waldmann. 2010 spielte sie u.a. Katarina in einer Basler Inszenierung von Dämonen, in Das blaue, blaue Meer am Heimathafen Neukölln und in Die Fozen am Ballhaus Ost. Zusätzlich debütierte sie als Autorin und Regisseurin am HAU 3 mit Mein Herz ist voller Hass – und das liebe ich. In 2011 spielte sie in Bloodshed in Divercity am Ballhaus Naunynstraße, 2012 wurde dort ihre zweite Inszenierung Run Brother Run uraufgeführt, 2013 entwickelte sie ebenda mit der „akademie der autodidakten“ SCHIZO!, das für die Teilnahme am „Theatertreffen der Jugend 2013“ nominiert wurde.

2014 erarbeitete sie mit Jugendlichen  An!, das im Rahmen der Jugendfestspiele an den Sophiensaelen lief. 2016/2017 machte Salome Dastmalchi regelmäßig Lesungen für die Reihe Prosa der Verhältnisse der Friedrich–Ebert-Stiftung in Kooperation mit dem Maxim Gorki Theater. Seit 2012 gibt sie Schauspielworkshops, u.a. in Kooperation mit dem Robert-Koch–Gymnasium und der Schaubühne, und ist zudem als Sprecherin tätig, mitunter war sie in Iranian Voices zu hören. Ihre erste Zusammenarbeit mit dem Jungen DT war beim Herbstcamp 2016, es folgt nun die Regie bei Draufgängerinnen. All Adventurous Women Do von Tanja Šljivar.
salomedastmalchi.de
 

Ausstattung Paula Wellmann

Paula Wellmann (geb. 1986) studiert von 2010 bis 2013 Bühnenbild an der Universität der Künste Berlin sowie 2006 bis 2008 an der Academie Beeldende Kunsten in Maastricht. Von 2008 bis 2010 ist sie als Ausstattungsassistentin am Berliner Ensemble engagiert, wo sie u.a mit Claus Peymann, Robert Wilson, Leander Haußmann, Karl-Ernst Herrmann und Achim Freyer arbeitet.

In der Zusammenarbeit mit der Regisseurin und Choreographin Aniara Amos entwarf sie seit 2011 gemeinsam mehrere Bühnenbilder, u.a. für Staatsoper Berlin, Oper Magdeburg, Innsbrucker Festwochen der Alten Musik. Mit Ersan Mondtag und dem "KAPITÆL ZWEI KOLEKTIF" entwickelte sie die interdisziplinäre Performance Party #4 – NSU im Mixed Munich Arts. Seit 2015 folgten Bühnenbild- und Kostümmitarbeit für Ersan Mondtags Inszenierungen „Tyrannis“ am Staatstheater Kassel (eingeladen zum Berliner Theatertreffen 2016), „Schnee“ von Orhan Pamuk und „Schere Faust Papier“ von Michel Decar am Thalia Theater Hamburg. Neben ihren Projekten am Theater konzipierte sie Installationen, Ausstellungen und Kurzfilme.

Für das Junge DT entwirft Paula Wellmann das Bühnenbild für All Adventurous Women Do von Tanja Šljivar, Regie: Salome Dastmalchi.
PAULAWELLMANN.COM

 

Birgit Lengers Leitung Junges DT

Studium Theater-, Film- und Kulturwissenschaft/Ästhetische Praxis in Köln und Hildesheim. Von 1997 bis 2002 wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Hildesheim. Nach 6-jähriger Zusammenarbeit mit dem Regisseur Thorsten Lensing (THEATER T1) Dramaturgin bei German Theater Abroad (GTA) - Konzeption und Realisation transatlantische Festivals und  Theaterprojekte wie Stadttheater New York (New York) und Road Theater USA (USA/Berliner Festspiele/Heidelberger Stückemarkt/Düsseldorfer Schauspielhaus).

Gastdozentin u. a. in Hildesheim und an der Universität der Künste, Berlin. Moderatorin beim Theatertreffen der Berliner Festspiele; Jurorin beim 1. und 2. Bürgerbühnenfestival, "Brüder-Grimm-Preis" des Landes Berlin und beim Heidelberger Stückemarkt. Veröffentlichungen u. a. in "Text + Kritik", im transcript Verlag, "Theater der Zeit", "Die Deutsche Bühne" und "Korrespondenzen". Seit der Spielzeit 2009/10 leitet Birgit Lengers das Junge DT.
 

Niloufar Shahisavandi

geboren in Teheran (Iran) kam im Alter von vier Jahren mit ihren Eltern nach Deutschland. Sie studierte an der Tanzhochschule EPSEDANSE in Montpellier und arbeitete als Tänzerin mit international renommierten Choreografen wie Akira Kasai (Das Schinkiro), Helena Waldmann (Letters from Tentland – Return to Sender) und Trisha Brown (Floor of the Forest, Accumulation). Niloufars eigene Choreographien kreieren Räume für das Aufeinandertreffen unterschiedlicher Kulturen. In La terre de l´autre (Tanztage Berlin 2017) wird das Streben nach Individualität in Frage gestellt und verdeutlicht, wie erschreckend und gleichzeitig  beruhigend der Gedanke sein kann, nicht einzigartig zu sein.

In ihrem Tanzprojekt Body Stories (Residenz Casablanca 2015) geht sie der Frage nach, inwiefern Körper von gesellschaftlichen und kulturellen Normen geprägt sind. Zudem hat Niloufar das Studium der Ethnologie, Iranistik und Politik an der Freien Universität Berlin abgeschlossen. Ihre Magisterarbeit befasst sich mit der Untergrund-Tanzszene in Teheran. Zu diesem Thema veröffentlichte sie einen Beitrag im Jahrbuch Tanzforschung (2015).

 

 

Sinnstiftende Karrieren
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