Den Weltfrauentag abschaffen!

Dass der Weltfrauentag abgeschafft gehört, wenn die Gleichberechtigung erreicht ist, versteht sich von selbst. Wann es so weit ist und woran wir das erkennen können, erklärt Birgitt Morrien in ihrer aktuellen Kolumne, die heute zugleich im Coaching-Blogger und im Kölner Stadtanzeiger veröffentlicht wird.

Medien machen was mit uns (Illustration: Thilo Rothacker / FAS) 22.06.2014)

Was ist das Besondere am Weltfrauentag? Alle Jahre wieder am 8. März zeigt die Mainstream-Presse wie etwa der Kölner Stadtanzeiger die Vielfalt weiblicher Existenz in Bild und Text: alte, junge, dicke, dünne, gesunde, kranke, reiche, arme, kluge, dumme, weiße und schwarze Frauen. Plus die ganze Bandbreite LGBTIQ …, also das volle Programm. Eine wahre Freude ist das! Und doch auch seltsam, weil irgendwie total ungewohnt. 

Ungewohnt, denn in dieser satten Fülle wird uns ansonsten medial nur männliche Existenz präsentiert. Auf jeder Seite, auf jedem Kanal, zu jeder Stunde dominieren männliche Stimmen und Antlitze jeder Couleur. Vereinzelt zwischendrin das Bild einer älteren Frau als Kanzlerin oder Ministerin. Doch ansonsten tauchen Frauen nur in sehr jungen Rollen auf, als Mädchen eher, oft viel zu dünn und in werbender Pose, meist Männern zugeordnet, oft älteren und alten. Insofern feiert die Presse seit jeher täglich Weltmännertag. 

Jede Frau, die – wie ich auch – „ihre Männer“ schätzt und liebt, freundschaftlich, familiär und kollegial, gönnt ihnen herzlich nur das Beste. Doch die Marginalisierung von Mädchen und Frauen in den Medien kann dies nicht sein. TO BE SEEN lautet das Credo des Respekts. 

Auf diesem Hintergrund plädiere ich zunächst für 1000 aufeinanderfolgende Weltfrauentage, inszeniert wie die alltägliche Präsenz von Männern in den Medien, nur andersrum. So gelingt es, uns in kurzer Zeit an den Anblick weiblicher Vielfalt zu gewöhnen. So gelingt es auch, uns zu sensibilisieren für das, was ungleiche öffentliche Geschlechterpräsenz bewirkt und bedeutet.

Vermutlich wird es für uns alle ein Schock sein, Männer dort dann praktisch nur noch unter 30-jährig anzutreffen, sehr schlank und gut gepflegt, in der Regel einem weiblichen Publikum geneigt und in verführerischer Pose dargeboten. 

Männliche Schönheit, in Szene gesetzt als schillerndes Accessoire insbesondere einer jeden älteren Frau, die was auf sich hält. Weibliche Reife, ausgestattet mit dem Glamour eines jungen Eros an ihrer Seite als Statussymbol. Schön, wenn auch namenlos.

Womöglich sind wir der so ins Gegenteil gewendeten Groteske einer mehr als tausendjährigen patriarchal geprägten Dominanzkultur schon nach kurzer Zeit überdrüssig. Dann wären wir allesamt motiviert, die Konzepte einer ausgewogenen Balance der Geschlechter (im Spiegel der Medien) umzusetzen. Den Weltfrauentag können wir dann irgendwann* abschaffen. 

 

* Dazu ist mir eine Zahl im Sinn, die besagt, es brauche noch 500 Jahre, bis die Gleichstellung der Geschlechter umfassend durchgesetzt sei, falls diese im aktuellen Tempo voranschreite.

 

PS: Morriens Kolumne erscheint am heutigen Tag in redaktionell leicht veränderter Fassung im Kölner Stadtanzeiger.

 

Lesetipp: Wie Frauen im Coaching gestärkt werden. 50+ Erfahrungsberichte aus erster Hand über die ganzheitliche Beratung bei Birgitt Morrien, darunter zahlreiche Frauen. Kostenlos im Coaching-Blogger >Themen >Fallgeschichten.

 

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