seelenverwandt – spiritually akin

Mutterseelenallein sass die kleine Katze im Parkhausgebüsch zum Hotel. Dort  wurde sie zufällig von einer Touristin entdeckt. Damit begann für beide die Geschichte einer besonderen Verbindung. Birgitt Morrien über die Dynamik einer Zufallsbegegnung, die sich als bedeutsam erweisen sollte. // Belushka – spiritually akin (English version) //

#Freude. (Morrien / Peru 2013)

Unser Hotel lag gleich am Meer. Heftige Winde bliesen um das Gebäude herum. Der Winter hatte bereits Einzug gehalten. Und am Rande des Parkplatzgebüsches zum Hotel saß dieses kleine Wesen. Kaum zwei Monate alt und hielt den vorbeifahrenden großen Autos stand.

Die noch sehr junge Katze, kaum so groß wie meine Hand, ließ sich gleich streicheln. Und das Futter, das wir besorgten, fraß sie sofort.

Im Handumdrehen hatte das kleine Wesen mein Herz erobert, und ich verbrachte die nächsten zwei Wochen mit regelmäßigen täglichen Fütterungen. Darin ganz praktisch unterstützt von meiner Lebensgefährtin und moralisch gestärkt von vier Freundinnen, mit denen gemeinsam wir über den Jahreswechsel drei Wochen auf Zypern verbrachten.

Schließlich fand sich sogar eine britischstämmige Zypriotin, Margaret, die es sich zur Lebensaufgabe gemacht hatte, den sich selbst überlassenen Katzen auf Zypern zu einem besseren Leben zu verhelfen, politisch und ganz konkret. Wir übergaben Margaret die uns lieb gewonnnene Katze an Sylvester. Und auf ihre Nachfrage hin wurde diese  kurzerhand Lucy Aphrodite getauft.

Wir wußten Lucy A. bei ihr in guten Händen und verbrachten daraufhin noch eine wirklich entspannte letzte Ferienwoche, nun ganz ohne Versorgungsdienste im Parkgebüsch. Die vielen überall herumstreunenden Katzen wurden zwar punktuell gefüttert, doch eine weitere emotionale Bindung war ich weder bereit noch in der Lage einzugehen.

Nach der Rückkehr  blieben wir mit Margaret in Kontakt, die uns bald mitteilte, eine Bleibe für Lucy A. gefunden zu haben. Und dank unserer gemeinsamen Anstrengungen gelang es sogar, das Grecian Bay Hotel davon zu überzeugen, zumindest die Katzen auf dem eigenen Gelände in einem geeigneten Katzenhaus überwintern zu lassen und dort zu versorgen. Ein voller Erfolg, der es uns erlaubte,  das Katzenthema abzuschließen.

Das Jahr nahm seinen gewohnten galoppierenden Lauf zum beginnenden Frühjahr und ließ mich erst Anfang November wieder innehalten. Aufgerüttelt von Margarets Nachricht, Lucy A. sei wieder bei ihr, da es nicht möglich gewesen sei, sie in der Wohnung zu beheimaten. Sie sei eine Freigängerin und ohne mögliches Außengehege einfach unglücklich gewesen. Vorübergehend könne Lucy bei ihr bleiben, aber nicht dauerhaft, da sie bereits mehrere Katzen in ihrem Haus mit Garten beherberge.

Ich fühlte mich sofort wieder verantwortlich für das kleine Wesen. Die Gewissheit, Lucy A. sei zunächst raus aus der Wohnungsgefangenschaft, ließ mich jedoch erst einmal aufatmen. Doch wie sollte ich für sie von hier aus ein passendes Zuhause finden?!

Noch am gleichen Abend schrieb ich einen Rundbrief an die rund 50 Häuser unseres urbanen Siedlungsdorfes und an alle Freundinnen und Freunde. Wir selbst können Lucy leider nicht nehmen, da wir bereits eine Katze haben, dem Charakter nach eine Prinzessin, die keine Gefährtin wünscht.

Um ehrlich zu sein, ich habe nicht mit einer positiven Antwort auf meine Mailaktion hin gerechnet. Eher dachte ich, damit mein Gewissen zu beruhigen. Ich würde sagen können, ich hätte alles versucht, um dann erstmal nicht weiter zu wissen.

Es vergingen einige Tage, und ich sah wie täglich meine zig Mails durch und hätte den Bee Muse Newsletter* meiner alten Freundin Gepke aus London beinah schon, einfach weggeklickt. Nicht, weil mich ihre Informationen nicht interessieren. Im Gegenteil. Einfach, weil ich der Flut der Informationen im Businessalltag oft kaum Frau werde und mich klar begrenzen muss.

Aber irgend einem Impuls folgend schaute ich an diesem Tag hinein und las: „Dear Birgitt, All I can say come to London and take Lucy Aphrodite with you. I will look after her with Love and care.” Gepke

Ich wußte nicht wie mir geschah, aber ich spürte plötzlich eine solche Freude und Erleichterung, dass mir die Tränen kamen. Ich war zutiefst gerührt von diesen Zeilen und überrascht, denn mein Brief war doch auf deutsch geschrieben gewesen und nicht auf Englisch. Bis mir einfiel, dass Gepke holländische Wurzeln hat und meine hilferufenden  Zeilen offenbar verstanden hatte. Ich war überglücklich!

Außer der üblichen Rundmails hatten wir schon einige Jahre kaum direkten persönlichen Kontakt mehr gehabt. Durch Lucy A. wird diese alte Verbindung nun auf ganz unverhoffte Art und Weise neu belebt. Und ich setze mich in Kenntnis über viele Dinge, die in all den Jahren an mir vorüber geeilt sind. Der letzte Besuch datiert lang zurück. 1985.

Wir sind Dekaden weiter und beide gereift. Ich bin endlich erwachsen, so fühlt es sich mit meinen 56 Jahren zumindest an, auch wenn ich die 22 Jahre Vorsprung nicht aufholen konnte, die Gepke mir voraus hat. Und ich bin froh darüber, mit ihr eine alte, weise Freundin wieder zu treffen, die sich sowohl auf die Schamanenkunst der Imkerei  als auch auf die Hege und Pflege kranker Seelen versteht. Eine 78jährige Autorität, die die verstörte Lucy A. ebenso willkommen heißen wird und wieder aufrichten wie seinerzeit mich.

Wenn meine Lebensgefährtin und ich im kommenden Jahr nach London reisen werden, dann jedoch nur, um Gepke und ihre dann neue Katze zu besuchen. Lucy A. wird dann Belushka gerufen werden. Das ist der Name, den Gepke ihr bereits aus der Distanz gegeben hat. Ein Name, schreibt sie, der zu ihr als Grenzgängerin passt, die früh lernen musste, größten Herausforderungen standzuhalten. Mit diesem Namen hat sie längst begonnen, das verletzte kleine Wesen herbei- und heilzurufen.

Ich spüre große Dankbarkeit für diese großartige Wendung in dem Leben eines kleinen Wesens, dessen Wohlergehen offenbar großen Einfluss auf mein eigenes Wohlergehen hat. Vielleicht sind unsere Seelen verbunden auf eine Art, die ich kaum nachhalten kann. Was  jedoch auch immer der Sinn dieser Verbindung sein mag, sie führt dazu, dass eine alte Freundschaft wieder auflebt. Eine, die mich daran erinnert, dass da jemand auf einer mir verwandten Spur vor mir geht.
Große Dankbarkeit spüre ich auch beim Gedanken an Margaret, die sich mit leidenschaftlicher Hingabe und professionellem Einsatz für das Wohl der mir so lieben Wesen auf Zypern einsetzt. Sie wird dafür sorgen, dass Belushka wohlbehalten von dort aus ihren Weg nach London-Highgate machen kann, wo Gepke sie von einer Touristin in Empfang nehmen wird, die als Kurierin fungiert.

Mein Dank gilt auch der Klinik und dem Transportdienst. Beide Einrichtungen kümmern sich darum, dass Geschichten wie diese wahr werden können.

 

*BeeMuse-Newsletter: Interessierte wenden sich gern an gepke@haelam.plus.com

Wer die Arbeit von Margaret unterstützen möchte, findet hier Dinge für den (Katzen-)Alltag: www.buyit4billy.com

Erstveröffentlichung im Coaching-Blogger 2016

Sinnstiftende Karrieren: Von der Couch auf den Gipfel: 50+ Coaching-Erfahrungsberichte aus erster Hand

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