Von wegen harmlos – abführen!

Eine bekannte Band spielte jüngst im europaweit größten Bordell auf und wirbt damit für „eine ganz normale Sache“, so Bläck-Fööss-Sänger Erry Stoklosa. In Frankreich wär das nicht passiert. Dort werden Freier als Kriminelle strafrechtlich verfolgt. Die Prostitution wurde dort längst als Unrecht erkannt.

Birgitt E. Morrien

ABFÜHREN

Was hat sich das aufgeklärte Frankreich schon vor Jahren dabei gedacht, Freier zu kriminalisieren? Wohl auch die politische Würdigung des Umstandes, dass 98 Prozent aller Frauen, die sich prostituieren, schon als Mädchen sexuelle Gewalt erlitten haben. Vielfach in Armut.

Prostitution bedient das Verlangen (schwacher Männer?) nach Macht und Unterwerfung. Wer eine Frau kauft, kann sie dominieren. Das empfinden Sexkäufer nach einschlägigen Untersuchungen als besonders erregend und reizvoll. Sich überlegen fühlen.

In Frankreich ist weder eine Sexfabrik mit Plattenbau-Charme nach Kölner Vorbild denkbar, geschweige denn ein werbewirksames Konzert mit der Option auf anschließenden Frauenkauf für diverse Sexdienste. In Paris würden die Bläck Fööss heute* Abend vermutlich noch vor Konzertbeginn einfach abgeführt. Große Presse garantiert!

 

*am 30.06.2017

Mehr Informationen zum Thema:

Es geht um Macht, nicht um Sex (Essay von Birgitt Morrien)

Es geschieht jeden Tag, jede Nacht (Interview mit Expertinnen und Experten der Aufarbeitungskommission zu sexueller Gewalt)

Zwangsprostitution (Zahlen + Aktionen / Archiv)

Tote Mädchen machen keinen Sex (Roman von Isabella Maria Kern)

In Freiheit leben, das war lange nur ein Traum (Fluchtgeschichten aus Gewalt und moderner Sklaverei  von Lea Ackermann u.a.)

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