Ja zur Ehe für alle

„Ehe ist gegenseitige Freiheitsberaubung im beiderseitigen Einvernehmen,“ meinte Oscar Wilde. Jedoch erhalten erst seit heute auch in Deutschland alle Menschen gleichermaßen das Recht, sich in dieser Weise gegenseitig und vollkommen legalisiert zu berauben. Auch zwei Menschen des gleichen Geschlechts. Der Bundestag stimmte heute mehrheitlich für die völlige rechtliche Gleichstellung homosexueller Paare.

Entre Nous. (Isabelle Huppert & Miou Miou im gleichnamigen Film)

Gabor Steingart

Die „Ehe für alle“ wird zum Test für die Liberalität unserer Gesellschaft, der allerdings schon jetzt als bestanden gelten darf. Eine Dreiviertelmehrheit der Deutschen ist bereit, ihren Ehebegriff zu modernisieren; nur die katholische Kirche und die Frankfurter Altmodische Zeitung („FAZ“) sind dagegen.

Der „Ehebegriff wird aufgelöst“, klagt Kardinal Marx. Die CDU werfe über Bord, „was ihr und ihren Anhängern wichtig und wertvoll war“, trauert die „FAZ“. Doch die Tränen fließen am wahren Sachverhalt vorbei. Die Ehe wird nicht liquidiert, nur demokratisiert und popularisiert.

Der Kern vom Kern des Eheversprechens besteht seit jeher aus Verantwortung. Es ging und geht um den zivilisatorisch bedeutsamen Übergang vom „Ich“ zum „Wir“. Oder wie Oscar Wilde sich einst ausdrückte: „Ehe ist gegenseitige Freiheitsberaubung im beiderseitigen Einvernehmen.“

Quelle: Handelsblatt (Morgenbriefing)

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